Druckschrift 
2. Die christliche Zeit 1 (1855) Fünfzehn Jahrhunderte
Entstehung
Seite
227
Einzelbild herunterladen
 

Das deutsche Reich bis zum Ende des elften Jahrhunderts. 227

der Friede war, da eine Aussöhnung des Kaisers mit der Kirche beidem Widerstand der von einem Siege der Kirche bedrohten Bischöfeunmöglich war, so unvollständig hergestellt, daß des Sohnes gewaltthä-tigcr Sinn und die vielfach noch vorhandene Mißstimmung leicht in einenBund gegen den von aller Achtung entblößten Vater traten. Der Krieg,der nun entbrannte, trieb den Sohn vom Rhein bis an den Regenzurück, doch der Vater sah sich, wie er ihn hier angriff, von den Großenverlassen und floh nach Böhmen, von wo Herzog Borziwop, der gegeneine ihm feindliche Partei im Lande eine Stütze an dein Kaiser suchte,ihn mit einem Heere an den Rhein zurückgeleitete. Als sich wiederHeereshaufcn um ihn gesammelt hatten, bewog der Sohn ihn durcherheuchelte Unterwerfung zu deren Entlassung, bekam ihn in seine Ge-walt und nöthigte ihn in Ingelheim znm Verzicht auf die Herrschaft.Da aber der Kaiser im Jahre 1106 seiner Haft entkam und in Nieder-lothringen an dem Herzog, der auf Gottfried gefolgt war, und an denBürgern der Städte Anhänger fand, würde er von Lüttich aus denKrieg erneuert haben, wäre er nicht daselbst gestorben.

22. Während der Negierungözeit Heinrichs IV. gab das Reich denBerns thatsächlich auf, das Christenthum im Osten zu befestigen und dieCultnr der christlichen Welt dahin zu tragen. Zwar blieb Böhmen, das sichunter Borziwop als Heinrichs Bundesgenosse zeigte, mit dem Reiche ver-bunden und schon Borziwoys Vater, Wratislaw II,, hatte die Mark Meißenerhalten und war im Jahre 1086 in Heinrichs IV. Auftrag in Prag zumKönige gekrönt worden. Dagegen lösten Polen und Ungarn sich ganz ab.Polen, lange mit Böhmen in Feindseligkeiten verwickelt und meist im Nach-theil, begann sich unter Boleslaw II. zu erheben und ward des ReichesFeind schon durch dessen Verbindung mit Böhmen. Doch wie seineAbkehr von dem Reiche sich entschied, schien Polen auch der Rohheitvon Neuem zu verfallen. Ein glücklicher Krieger herrschte Boleslawim Innern mit schrankenloser Wildheit, und mit einem Widerstande gegendieselbe muß es Zusammenhängen, daß zur Zeit, als Gregor VII. nachallen Seiten hin seinen scharfen Blick und seinen mächtigen Arm richtete,im Jahr 1079 der Bischof von Krakau durch den König eigenhändigniedergehauen wurde. In Ungarn war nach Salomo's Einsetzung einneuer Kampf ausgebrochen, da Boleslaw von Polen den vertriebenenGeisa zurückführte. Geisa errang die Herrschaft, starb aber im Jahre1077, ehe der Friede, den Gregor VII. zu vermitteln gesucht, zu Standekam. Ihm folgte sein Bruder Ladislav der Heilige, der Begründer derungarischen Unabhängigkeit und der Besieger des noch einmal sich regen-den Heidenthnms. Während Gegner des Kaisers aus Deutschland nachUngarnnfliehen konnten, gewann der vertriebene Salomo keine Hülfe inDeutschland und fand bei seinen Versuchen, die Herrschaft wieder zu

15«