226 Das deutsche Reich bis zum Ende des elften Jahrhunderts.
lassen und war zur Unterstützung des Papstes zurückgekehrt. Die Nach-richt von seiner Annäherung zwang Heinrich zum Abzüge, und Gregor,von den Normannen befreit, ging nach Salerno, wo er im Jahre 1085starb. Seine letzten Worte waren: Ich habe die Gerechtigkeit geliebtund das Unrecht gehaßt, darum sterbe ich in der Verbannung.
21. Heinrich IV. war von seinem Gegner, dem bald auch HerzogRobert folgte, befreit. Doch die von demselben ausgesprochenen Ge-danken hatten ihre Wirksamkeit begonnen, und die Art, wie die von seinenMaßregeln Betroffenen ihm Widerstand leisteten, bewies am besten,welchem dringenden Bedürfnisse er entgegengekommen war. Das all-gemeine Bewußtsein der Christenheit erkannte auch das von ihm Ge-wollte so sehr als nothwendig, daß die dringenden Forderungen derVölker an der Verwirklichung von Gregors Forderungen mitarbeiteten.Gregors Nachfolger, Victor III., Urban II. und Paschalis II., wirktenLn seinem Geiste, und ihre Ueberwältigung durch die Waffen verhinderteMathilde. In Deutschland war der Gegenkönig Hermann nicht zu sofester Stellung gelangt, daß er, seiner Absicht gemäß, dem in Italienbedrohten Papste hätte zu Hülfe kommen können. Nach Heinrichs Rück-kehr aus Italien brachte die durch de» langen Kampf eingetretene Er-schöpfung an vielen Orten Neigung zum Frieden hervor. Selbst HerzogMagnus von Sachsen trat auf Heinrichs Seite. Die Herzoge vonSchwaben und Kärnthen waren ihm ergeben, und Niederlothringen erhielteinen dem Kaiser ergebenen Herzog in dem Grafen Gottfried vonBouillon. Nur Welf in Baiern widerstand ihm noch längere Zeit.Dagegen traf ihn das Geschick, daß sein ältester Sohn Konrad, den ernach abermaligem Auftreten in Italien zu Fortsetzung des Kampfes dortzurückgelassen hatte, im Jahre 1093 sich gegen ihn empörte. Doch tratWelf nun auf seine Seite über. Dessen Sohn hatte sich mit Mathildevermählt, trennte sich aber von ihr, als die Aussicht auf deren Erb-güter zerrann, indem sie dieselben für den Fall ihres Todes bereits demrömischen Stuhl geschenkt hatte. Das Herzogthum Baiern ward demVater nun erblich verliehen. Im Jahre 1097 erfolgte auf dem Reichs-tage zu Mainz förmliche Aussöhnung mit den Großen des Reiches.Konrad, der schon 1083 gekrönt worden war und als solcher den Titeleines römischen Königs geführt hatte, ward abgefetzt und sein jüngererBruder Heinrich trat an seine Stelle. Konrad gelangte indessen inItalien zu keinem Anschn, da das eigentliche Haupt der dem Kaiserfeindlichen Partei Mathilde blieb, und die Städte, die sich ihm ange-schlossen, dabei das Ziel größerer Selbstständigkeit verfolgten. Er starb,von allen Anhängern verlassen, im Jahre 1101 zu Florenz. Bald aber,im Jahre 1104, empörte sich auch des Kaisers zweiter Sohn in Deutsch-land. Des Stoffes zum Mißvergnügen hatte sich so viel angehäuft, und