Das deutsche Ncich bis zum Ende des elften Jahrhunderts. 210
um sie im Zaume zu halten, viele Burgen anlegtc, steigerte den Unwillenzum Grimme. Der Ausbruch erfolgte im Jahre 1073, als die Sachsenerwarten konnten, daß ein Heer, welches die Polen aus Böhmen ver-treiben sollte, sich gegen sie wenden, und daß der Däncnkönig, mit demHeinrich eine Zusammenkunft zu Bardewik gehabt, zu ihrer UnterdrückungMitwirken werde. Es brach ein allgemeiner Aufstand in Sachsen aus,dem sich die Thüringer anschlosscn, weil Heinrich sie zur Leistung einerlange verweigerten Zehutabgabe an den Erzbischof von Mainz wegender Gegendienste, die er von diesem erwartete, gezwungen hatte. Indem Kriege, der nun entbrannte, zeigte sich, wie auch in der Folge, beiHeinrich ungeachtet der Beweglichkeit, mit der er handelte und derSchlauheit, mit der er alle ihm günstigen Umstände zu benutzen wußte,seine sittliche Haltlosigkeit, indem er zwischen bereitwilligen Versprechun-gen und treulosem Verweigern, zwischen demüthiger Ergebung und hoch-fahrender Willkühr nach Maßgabe der wechselnden Verhältnisse hin- undherschwankte. Der Krieg wurde mit Erbitterung geführt und brachte,da die Sachsen ihn als Volkskrieg führten, und Heinrich ihnen an Zahlseiner Streiter gleichzukommen suchen mußte, Heere in Bewegung, wiesie bisher in den inneren Fehden sich nie gegenüber gestanden hatten.Als ein großes Heer vor Goslar rückte und von dem Könige Zerstörungseiner Burgen, Abzug aus Sachsen, Entfernung der schlechten Umgebungforderte, floh er nach Süddeutschland. Hier war man geneigt, einenneuen König zu wählen. Heinrich vereitelte aber den Plan, indem erdie verabredete Zusammenkunft in Worms hinderte. Bald bildete sichfür ihn eine ansehnliche Partei, da einerseits viele Bischöfe aus Furchtvor dem Uebergewicht der Fürsten, anderseits viele Städte, die von demAnschlüsse an ihn Lockerung der das städtische Gemeinwesen eincngcndenSchranken erwarteten, auf seine Seite traten. Als er mit einem Heerean der oberen Werra erschien, kam es zu Gcrstungen zwischen ihm undden Sachsen zu einem Vergleiche. Da er aber die von ihm Ange-gangene Bedingung, die Burgen schleifen zu lassen, nicht erfüllte, zwangenihn die Sachsen dazu und verwüsteten selbst die südlich von Goslar
gelegene Harzburg, wo sic selbst die Grabmäler in der Kirche aufriffcn.
Die Beendigung des Streites machte die süddeutschen Herzoge, unterdenen Rudolf die Krone gehofft hatte, für sich besorgt. Sie hatten frühermit den Sachsen über die Absetzung des Königs unterhandelt. Jetzt
schlugen sie sich, da jene einseitig Frieden geschlossen hatten, gegen
dieselben zu Heinrich, um nicht durch ruhiges Zusehen die Gelegenheitder ferneren Einwirkung auf die Gestaltung der Verhältnisse zu verlieren.Dadurch gelang diesem die Unterwerfung Sachsens. Eine Schlachtbei Hohenburg an der Unstrut im Jahre 1075 gab ihm den Sieg unddas Volk der Sachsen ward uneins mit den Großen des Landes, durch