Das fränkische Reich bis auf Karl den Großen. 155
wurde, war der Ausdruck des Bedürfnisses nach einer nicht gewaltsamenLösung entstandener Verwicklung. Gregors HI. Nachfolger Zachariasrietst, daß man die Wahrheit statt des Scheines herrschen lasse und aufdemselben Haupte den Namen und die Macht des Königs vereinige.Demgemäß ward im Jahre 752 bei der Stadt der Sncssionen, wo einstChlodwig die Eroberung Galliens begonnen, durch eine Versammlungder Dienstmannen Pipin durch Erhebung auf den Schild, die setzt zumletzten. Male vorkam, zum Könige der Franken erklärt, und Childerich Hl.,Childerichs II. Enkel und Chilperichs II. Sohn, fand für den Restseines Lebens eine Zufluchtsstätte in einem Kloster. Schon vor ihmhatte das Königthum aufgehört. Auf Dagobert III. war Chilperich H.und auf diesen Dagoberts Sohn, Theodorich IV., gefolgt. Nach dessenTode im Jahre 737 war kein König mehr gewesen, bis im Jahre 741nach Karls Tode seine Söhne es rathsam fanden, den Childerich zurKönigswürde zu erheben, damit sie, im Namen eines Königs handelnd,desto leichter den Widerstand bemusterten. Bonifacius salbte den neuenKönig, wie einst mit den Königen von Juda geschehen, um ihn zumDienste Gottes einzuweihen. Damit verließ das Reich der Frankendie unsichere und zweideutige Stellung, die es seit Chlodwigs Bekehrungder Kirche gegenüber eingenommen, und der Zeitraum der Völkerwande-rung und der in ihrem Gefolge erscheinenden Zerstörung war für dasAbendland geschlossen.
16. Die erste Gelegenheit, seinen Beruf zu bethätigen, fand Pipinbald in Italien. Schon zu Liutprands Zeit hatte der Kirche die Gefahrgedroht, ihre Selbstständigkeit, die ohne die Selbstständigkeit ihres Ober-hauptes nicht denkbar ist, einzubüßen und so alle Macht zur Erhaltungder Lehre und zur Regelung des Lebens zu verlieren. Die folgendenLongobardenkönige strebten, wie Lintprand, dem Ziele zu, das römischeGebiet zu erobern. Nachts zwar gab die Herrschaft auf, um sein Lebenim Kloster von Casinum zu beschließen, aber sein Bruder Aistulph brachtedas Erarchat mit der Pentapolis in seine Gewalt, und so schien fürNom keine Rettung mehr zu sein, da auch das Gebiet des Ducates zumTheil feindlich besetzt war. Schon Gregor Hl. hatte Karl um Einschrei-ten ersucht, aber als Stephan II. das Ersuchen bei Pipin wiederholte,fand er die innern Verhältnisse des Frankenreichcs geordneter und denSinn des neuen Herrschers fähiger, die Aufgabe, die sich ihm stellte, zufassen. Der Papst kam im Jahre 754 persönlich über die Alpen, er-theilte zu Parisii Pipin sammt seinen Söhnen Karl und Karlmann dieSalbung, verlieh ihm die Würde des Patriciats und bestimmte, daß dieKönigswürde in seinem Hause bleibe. Pipin überwand auf einer Ver-sammlung zu Braina an der Arona die Abneigung der Dienstmannengegen einen Feldzug nach Italien, überstieg die Alpen auf der Straße