1Z2 Das fränkische Reich bis auf Karl den Großen.
Welchen sie wohnten, in feindlichen Gegensatz geriethen. Dieser Um-stand kam ihnen im romanischen Lande in sofern zu Gute, als sie, mitden arianischen Germanen verglichen, einen höheren Anspruch auf dasErbe römischer Länder zu haben schienen, und förderte ihre Fortschritte inden germanischen Ländern in sofern, als der sittigende Einfluß der Be-kehrung, wie er durch ihre Herrschaft ermöglicht wurde, auch der Be-festigung ihrer Herrschaft diente. Freilich entwickelten sich diese Ver-hältnisse nur langsam. Der Uebertritt der Franken zum Christenthumerfolgte bei dem Widerstand, den die heidnische Rohheit demselben lei-stete, nur allmälig. Auch war mit dem Uebertritte nicht sofort eine in-nere Verwandlung verbunden. Es erwuchs daher dem Christeuthum ausdem Anschluß der Frauken eine Gefahr besonderer Art, indem durch denPlötzlichen Eintritt des Volkes in die Vorthcile der Civilisation die Roh-heit die abschreckendsten Formen der Sittenlosigkeit annahm, und so derKirche nicht allein die Ausübung erziehender Thätigkeit erschwerte, son-dern dieselbe an Ausübung dieser Thätigkeit auch oft hinderte. Ja dasVerderben drang in die Kirche ein, indem diese, die ihre Diener ausden Menschen ihrer Zeit und den Bewohnern der ihr unterworfenenLänder erhält, unter den Franken dem Mißgeschicke nicht entgehen konnte,die Zahl ihrer Priester und Bischöfe durch solche zu ergänzen, die von jden verbreiteten Nebeln angesteckt waren. Die Bischöfe waren den Herr-schern in den Geschäften der Negierung so unentbehrlich, daß diese ihren ^Einfluß auf die Erhebung jener oft nach andern als kirchlichen Rück- ^sichten ausübten. So fehlte es oft sogar an den Kräften, welche das !aus Franken und gallischen Römern erwachsende Volk erziehen sollten. !Alle diese Nachtheile wirkten um so stärker, als Familienzwiste unterden Herrschern der Franken das Land mit Parteiung und Hader erfüll-ten und Leidenschaften hervorriefen und entfesselten. Zufluchtsstätten, darinman dem Aergerniß sowie der Gefahr, von der Entartung ergriffen zu ,werden, entgehen konnte, bildeten die Klöster. Diese Anstalten, die den Ver-folgungen ihr Entstehen verdankten, hatten sich unter den mannigfachen Lei- !den, welchen die Menschen in den Zeiten gewaltsamer Umbildung derVerhältnisse ausgesetzt waren, nicht allein im Morgenlande vielfach ver-mehrt, sondern von dem vierten Jahrhundert an auch über das Abend-land, so weit das Christenthum reichte, zu verbreiten begonnen. Seit Theo-dosius war die Gründung von Klöstern auch in Städten erlaubt. Im-mer mehr bewährten sie sich als die Zufluchtsstätten desjenigen Sinnes,der um des ewigen Heiles willen sich mit der Welt gänzlich abfindetund in einer planmäßig zu diesem Zwecke angelegten Lebensordnungdie Heiligung sucht. Obgleich ihre Mitglieder Anfangs nicht Priesterwaren, wurden sie Pflanzschulen des Priesterthums, da das in ihnenherrschende Leben als eine geeignete Vorbereitung zum Priesterstande