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2. Die christliche Zeit 1 (1855) Fünfzehn Jahrhunderte
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die Ostgothcn und die Longobardcn.

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regieren, die andere, in einem Theile Italiens auch die weltliche Herr-schaft zu fuhren. Diese weltliche Herrschaft ist durch keine einzelneHandlung begründet, sie ist den Kaisern nicht entrissen, sic ist vielmehrdas nothwendigc Ergebuiß des Umstandes, daß die Päpste in einer Zeitschwankender Verhältnisse den Bewohnern des fraglichen Gebietes daswaren, was die Kaiser ihnen nicht sein konnten. Sie befestigte aberdas Papstthnm in derjenigen selbstständigen Stellung, deren es bedurfte,um in seiner geistlichen Thätigkeit jedem von Außen her kommendenund aus weltlichen Rücksichten versuchten Zwange entrückt zu sein.Kaiser Leo III. konnte keine andere Rache nehmen, als daß er derKirche zu Nom die im Bereiche seiner Macht gelegenen Besitzungen,ihre Güter in Sieilien und dem neuen Calabricn entriß, und das Pa-triarchat des Papstes in Ostillprien aufhob, um dieses Land demPatriarchen von Constantinopel untcrzuordnen. In gleicher Art, wiesich das Ducat Rom zu einem unabhängigen Staate gestaltete, bildetesich ein solcher in dem venctischen Küstenstriche. Hier hatte sich dieBevölkerung in Verfolgung von Handelszwecken mehr und mehr vondem Leben des Reiches, in dessen entlegenstem Theile sie wohnte, ab-gesondert und, als der Bilderstreit auch hier größere Entfremdungbewirkte, kam man über eine Unabhängigkeit, die sich allmälig gebildethatte und nie ausgesprochen worden war, zum Bewußtsein. Schon vorAusbruch des Bildersireitcs erscheint hier ein gewählter Dur als Obrig-keit und die Abhängigkeit besteht nur dem Namen nach. Je mehr derEinfluß Constantinopels auf Italien erlischt, desto gesicherter scheint fürdie Negierung der Kirche die Freiheit, durch welche sie ihre Sendungan die Völker zu erfüllen vermag. Schon hat Gregor der Große durchSendboten deS Evangeliums, welche die Bekehrung der Angelsachsenunternommen, Britannien zum zweiten Mal dem Christenthum zu erobernbegonnen und ist so dem Heidenthume Deutschlands gleichsam in denRücken gefallen. Um aber in Germanien das Gebäude der Kirche zuerrichten, bedarf es einer befreundeten weltlichen Macht, welche gegendas unfehlbar zum Widerstand sich anfraffende Heidenthum den äußerenSchutz gewähre. Diese Macht findet die Kirche an dem Reiche derFranken, das im Norden der Alpen romanische und germanische Völkervereinigt. Zugleich aber schürzt sich in Italien ein neuer Knoten, dadurch die Versuche der Longobardcn, ihre Herrschaft über die Halbinselzu vollenden, das Papstthnm in seiner für das Gedeihen der Kircheunumgänglich nothwendigen Selbstständigkeit von Neuem bedroht wird.Auch die Lösung dieses Knotens ist den Franken Vorbehalten. Aus ihrerMitte erhebt sich diejenige Macht, welche das von dem oströmischenReiche vergebens erstrebte Ansehn im Westen gewinnt und durch ihrBündniß mit der Negierung der Kirche die Macht der römischen Jmpe-

Kissel, Weltgeschichte. II. g