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2. Die christliche Zeit 1 (1855) Fünfzehn Jahrhunderte
Entstehung
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110 Das oströmischc Reich bis gegen Ende des achten Jahrhunderts,

sie sind oder thun, bestimmend auf den Gang der Begebenheiten einzu-wirken. Die äußere Geschichte des Reiches zeigt fortwährende Beäng-stigung seiner Bewohner und Schmälerung seines Gebietes im Ostenund im Westen. Im Osten dringen die Araber mit all' der Kraft, dieein zu neuem Leben erwachtes Volk entwickelt, ans das Reich ein, undfahren fort, nicht allein dem Reiche, sondern dem Christenthume Länderzu entreißen. Im Westen verengt sich das Gebiet durch immer nochungehemmte Fortschritte der Slaven. Das Reich der Avaren wirdgeschwächt durch den Abfall slavischer Stämme und es bilden sich imBereiche des nördlichen Zllpriens und des südlichen Pannoniens dieslavischen Staaten Servien, Kroatien und Slavonien, während nordwärtsder mittleren Donau die Tschechen und Moraven als selbstständigeslavische Völker hervortreten und in Niedermösien die ebenfalls vonavarischer Herrschaft frei gewordenen Bulgaren durch Aufgehen infrüher dort eingedrungene Slaven der Sprache nach zu Slaven werden.Obgleich so in den Gegenden eines rastlosen Völkergetümmels die Spurenehemaliger Nömerherrschaft immer mehr erlöschen, erhält sich als Nach-wirkung römischer Ansiedelungen in Dacien auf der Nordseite der unte-ren Donau bis weit in das Gebiet des Karpathengebirges hinein in derwalachischen Sprache neben slavischen Bestandtheilen ein kenntlicher Nestder lateinischen Sprache, wie die über die südlichen Gegenden desReiches verbreiteten Slaven die griechische Sprache annahmen. Währendim Osten das Reich zu Gunsten der Araber abnahm, konnte es an denin seinen Gebieten heimisch gewordenen Slaven noch die Aufgabe lösen,ihnen das Christenthum zu bringen und so der Kirche durch neuen Zuwachseinen Ersatz für das zu leisten, was es ihr in Asien zu erhalten außerStande war.

15. Den eigentlichen geistigen Gehalt des Lebens im Reiche bilde-ten, wie bisher, die Untersuchungen und Streitigkeiten über die kirchlicheLehre, die ungeachtet so vieler ärgerlichen Erscheinungen, von denen siebegleitet waren, das Ergebniß lieferten, daß dieselbe sich immer festerbestimmte und aussprach. Der fernere Verlauf dieser kirchlichen Be-wegungen hatte auch Einfluß auf das Verhältniß zu Italien und aufdie Stellung des päpstlichen Stuhles und diente so mit zur Bestimmungder Wirkungen, die sich von dort über das Abendland verbreiteten.Schon unter Heraklius begann ein Streit, der ebenso zur völligen Er-ledigung der durch die Monophpsiten augeregten Fragen führte, wie derStreit über die drei Capitel den Schluß für die Bekämpfung des Nesto-rianismus bildete. Die Schwierigkeit, welche die verstandesmäßigeAuffassung zweier Naturen in Christo hatte, führte zu der Annahme,daß in Christo, wenn auch zwei Naturen, doch nur ein Wille, ein gött-licher, gewesen sei. Diese Lehre, die monotheletische genannt, empfahl