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2. Die christliche Zeit 1 (1855) Fünfzehn Jahrhunderte
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Das römische Reich unter den Imperatoren.

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49. Orestes bekleidete seinen Sohn Romulus mit dem Purpur.Dieser, seiner Jugend wegen nicht Augustus, sondern Augustulus ge-nannt, war der letzte, der die Zeichen der Herrscherwürde trug. Diein Italien angehäuften barbarischen Truppen, größtentheils den Völkernder Heruler, Rugier, Sciren und Turcilinger angehörig, verlangtenim Jahre 476 heftig nach Landanweisnngen, und da Orestes ihnen nichtWillfahrte, wählten sie in offenem Aufstande sich einen Führer in Odoa-cer oder Otacher. Orestes warf sich in die Stadt Ticinum oder Pa-pia, wo er, als dieselbe von Odoacer erobert wurde, umkam. SeinSohn glaubte Ravenna nicht behaupten zu können, legte die Herrschaftnieder und wurde' von dem Sieger auf ein kampanischcs Landgut ge-schickt, wo er den Rest seiner Tage in Dunkelheit verlebte. DemOdoacer gaben seine Truppen den Namen eines Königes von Italien.Diesen nahm er zwar an, doch in dem Bedürfnis der römischen Be-völkerung gegenüber mit einem Scheine rechtmäßiger Herrschaft bekleidetzu sein, erbat er sich zu Constantinopel, wo im Jahre 474 auf Leo dervon ihm adoptirte Jsaurier Zeno gefolgt war, unter Uebersendung derZeichen der Hcrrscherwürde den Titel eines Patricias und das Amteines Statthalters der italischen Diöcese. Mit dem mächtigsten derübrigen germanischen Könige, Eurich, verständigte er sich durch Abtre-tung des südgallischen Küstenstriches. Seine Truppen befriedigte erdurch Verleihung des dritten Theils von den Ländereien der größerenGrundbesitzer. In der Verwaltung ließ er die römischen Formen fort-bestehen. In religiöser Hinsicht zeigte er sich, obgleich Arianer, nichtbloß duldsam, sondern griff auch in die Thätigkeit von Papst und Bi-schöfen nirgendwo hemmend oder störend ein. Italien genoß unter sei-ner Negierung einer lang entbehrten Ruhe. Er wehrte Einfällen derBurgunder, schützte das Land gegen die an der Donau wohnenden Ru-gier, deren Reich er auflöste, und gewann durch Unterhandlung ein fried-liches Verhältnis' mit den Vandalen, die ihre Raubzüge nach den itali-schen Küsten einstellten und ihm Sicilien überließen. Doch war seineHerrschaft eine vorübergehende, denn Italien fiel nach siebzehn Jahrenin die Hände der Ostgothen. Da nun, ehe dies geschah, auch die Herr-schaft des Syagrius in Gallien im Jahre 486 durch Chlodwig, denKönig der salischen Franken, ihr Ende fand, war das weströmische Reicham Ende des fünften Jahrhunderts unter die germanischen Völker derOstgothen, Vandalen, Westgothen, Sueven, Burgunder, Franken, Ale-mannen und Sachsen getheilt.

50. Der Unterschied der östlichen und westlichen Welt war setztum ein Bedeutendes vergrößert, da in der einen die Verfassung desrömischen Reiches fortbestand, in der andern eine neue Grundlage fürdie staatlichen Verhältnisse gegeben war. Dieser Unterschied machte sich