Das römische Reich unter den Imperatoren. 49
die nach seinem Tode eintreten könnten, zu überlassen, faßte er den Ent-schluß, mit seinem Amtsgenossen Marimianuö die Herrschaft niederzule-gen, um durch Erhebung der Cäsaren zur Augustuswürde und Er-nennung neuer Cäsaren die ganze Einrichtung sich schrittweise erneuernzu lassen. Im Jahre 303 beging er in Nom das Fest der zwanzig-jährigen Dauer seiner Herrschaft und feierte mit Marimianus daselbsteinen Triumph wegen Besiegung der Perser, verließ aber die Stadtbald wieder, wo das an reiche Spenden gewöhnte Volk, wegen der ihmzu geringen Gaben, die es bei dieser Gelegenheit erhalten, eine aus-schweifende Unzufriedenheit gezeigt hatte. Nachdem er das ganze fol-gende Jahr in Nikomedia unter Krankheit verlebt hatte, legte er daselbstim Jahre 305 am 1. Mai die Herrschaft nieder und begab sich für denNest seines Lebens nach Spalatnm in der Nähe der dalmatischen StadtSalona, während Marimianus, der auf seinen Anlaß zu Mediolanuman demselben Tage, wie er, zurückgetreten war, seinen Aufenthalt inLucanien nahm. Die Negierung wurde nun ergänzt, indem Galerius,der in die Stelle des Diocletianus eintrat, zwei neue Cäsaren, ValeriusSeverus und Mariminus Daza, ernannte, welche den italischen und denmorgenländischen Theil übernahmen, während die neuen Auguste dievon ihnen bisher verwalteten Neichstheile behielten. Bald sollte sichzeigen, wie die Einrichtung des Diocletianus zu neuen inneren Kämpfenführte. Die Schwierigkeit, auch ferner zwischen zwei Augusten einVerhältniß der Ueber- und Unterordnung zu erhalten, und der Umstand,daß bei der Ernennung neuer Cäsaren Marimianus' und Constantius'Söhne, Marentius und Constantinns, übergangen waren, gaben die An-lässe zu Verwirrungen, und erst die völlige Verwandlung der Verfassungin eine Monarchie, wo eines einzigen Herrschers Wille die Quelle allesRechts wurde, bezeichnet einen neuen Ruhepunkt in dem Laufe, mittelstdessen das Reich seinem Untergange zueilt.
26. Als Constantius nach einem Kriegszuge gegen den kaledoni-schen Stamm der Pikten im Jahre 306 zu Eboracum gestorben war,riefen die Truppen seinen und der verstorbenen Helena Sohn zumAugustus aus, doch Galerius bewilligte ihm nur die Würde eines Cä-sars und verlieh die Würde des zweiten Augustus dem Severus. Umdieselbe Zeit übte der Unmuth des herabgedrückten Rom einen Rück-schlag auf die neue Ordnung der Dinge dadurch, daß Marentius vonden Prätorianern unter Zustimmung von Senat und Volk zum Augustuserhoben wurde, worauf auch dessen Vater von Neuem als Augustusauftrat und gegen Severus, der die Herrschaft des zu seinem Antheilgehörigen Italiens retten wollte, ins Feld rückte. Die neuen GebieterItaliens behaupteten sich nicht bloß gegen Severus, der von seinenTruppen verlassen in Ravenna umkam, sondern auch gegen Galerius,
Kiesel, Weltgeschichte. II. H