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2. Die christliche Zeit 1 (1855) Fünfzehn Jahrhunderte
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Gang und Gliederung der christlichen Geschichte. 17

reiht, entwickeln sich zugleich die Keime, welche durch Entdeckung fernerErdtheilc in die Staatskunst Enropa's gelegt worden sind. Ein schonim Zeitalter der Kirchentrcnnung merkbarer Wetteifer, die neuen Länderfür Handclszwccke auszubentcn, gewinnt eine solche Herrschaft, daß fürdie meisten Staaten Enropa's der Handel die Grundsätze des Verhaltensverschreibt. Es kann also der zweite Abschnitt der neuen Zeit die Zeitdes französischen Ucbergewichts und der durch Handelsvorthcile bestimm-ten Staatskunst heißen. Es wird ein allgemeines Jagen nach Güternherrschend und die Lenker der Staaten beginnen den Erfolg ihrer Ne-gicrnngsthätigkeit nach dem Gelde zu ermessen, das in ihre Staatenfließt und ihnen daher auch die Möglichkeit gibt, durch Besteuerung inBesitz erhöhter Mittel zu gelangen, die zu Behauptung oder Verbesse-rung der von ihren Staaten eingenommenen Stellung dienen. Geldund Heere werden die Kräfte der Staaten und die Gegenstände ihrerinneren Thätigkeit, weil sic ihnen zugleich die Mittel geben, an einemallgemeinen Wettkampf um Länderbesitz Thcil zu nehmen. Indem sichso Europa mit Händeln erfüllt, wird der Staat, welcher den andernauf der neuen Bahn vorauögegangen ist, aus der eingenommenen her-vorragenden Stellung verdrängt und hinterläßt seinen Angehörigen dieNoth, in die er sie durch höchste Anspannung der Kräfte für das Zieleuropäischer Hegemonie versetzt hat, dem übrigen Europa aber das Bei-spiel einer selbstsüchtigen, die Gerechtigkeit höhnenden Staatskunst. DieHegemonie in Europa hat Frankreich nicht im Sinne einer neuen Eini-gung der Christenheit angeftrebt. Es hat sich als Mittels dabei sogar derBundesgcnossenschaft mit dem Erbfeinde der Christenheit, den Türken,bedient. Wie es selbst von seiner Stufe herabfteigt, verlieren auch seinebarbarischen Helfer an Bedeutung, da das habsburgische Haus, das diewerthlos gewordene deutsche Kaiserkrone besitzt, als Beherrscher großerGebiete, die es im Osten Deutschlands und Enropa's auf friedlichemWege erworben, jetzt stark genug ist, sie über die ungarische Grenzezu weisen, und da das im Osten Enropa's sich mächtig ausdehnende,nach Theilnahme an dem Handel des Westens und an der Entscheidungeuropäischer Fragen trachtende Rußland als ein zweiter Feind ihnennaher und näher rückt. Die Fortdauer einer willkührlichcn und unge-rechten Staatskunst bereitet einen dritten Zeitraum der neuen Geschichtevor, wo Gewalt, die bisher zwischen Staaten und Staaten die Losungwar, auch innerhalb der Staaten die Losung wird. Hat das Beispielder Staaten bei den Einzelnen den Sinn für Gerechtigkeit erschüttert,so hat ein Jagen nach Besitz, das bei Einzelnen, wie cs im Großenherrschte, sich eingestellt und eine damit verbundene Genußsucht nichtallein die Sittlichkeit erschüttert, sondern einen bewußten Willen zumKampfe gegen die Kirche, als die Wächterin der Sitte, erweckt. Ver-

Kicscl, Weltgeschichte- II- 1