Druckschrift 
2 (1831)
Entstehung
Seite
352
Einzelbild herunterladen
 

35,2

ihre Stellung nicht ändern, sondern der ersten Reflexions - Ebneparallel bleiben; eben dos ist der Fall bei den ein wenig schief ge-neigten Strahlen, die eine ans dem Doppelspathe senkrecht gegendie erste Reflexions-Ebne gezogene Linie treffen; daher erscheint einschwarzes Kreuz, dessen Lage durch die auf dem Doppelspathe in derReflexions-Ebne und senkrecht gegen sic gezogene Linie bestimmt wird.Alle von diesen beiden Ebnen abweichenden Strahlen verändern dieRichtung ihrer Polarisation, und da hier ähnliche Umstande wie beiden dünnen Gypsblättchen eintreten, so werden nur gewisse Farben-sirahlen depolarisict. Man mag nämlich hier entweder nach Biot'sAnsicht den polarisicendcn Kräften, die bei so geringer Neigungdes Strahles gegen die Axe des Doppelspaths sehr schwach wirken,nur die Wirkung, eine bewegliche Polarisation oder eine Oscillationder Lichtthcilchen hervorzubringen, zuschreiben, oder nach Arago'sund Fresnels Ansicht die ungleichen Wellenfolgcn des in derDoppclspathplatte gewöhnlich und ungewöhnlich gebrochenen Strah-les berücksichtigen, so läßt sich Nachweisen, daß in einer gewissenEntfernung von der Mitte bestimmte Farben und zwar genau inder Drdnung, wie bei Newton's Farbcnringcn, hervortrctcnmüssen; ja man kann sich leicht überzeugen, daß selbst die Großeder Ringe, die von der Dicke jener Platte abhangt, sich nach beidenAnsichten berechnen läßt. Bei Biot bestimmt man die Wieder-kehr eben der Farbe im zweiten, dritten, Ringe nach der für diePerioden der Oscillationen angenommenen Größe der Zwischenräu-me; bei Fresnel berechnet man sie nach dem Boreilen derWellenfolge des einen Strahles vor der des andern, um eine oderzwei oder drei Wellenlängen und so weiter, und dieses Voreilenbeträgt bei so geringer Neigung der Strahlen wenig, da in diesemFalle beide Strahlen, der gewöhnlich gebrochene und der unge-wöhnlich gebrochene, beinahe gleiche Geschwindigkeit haben. Beigrößerer Verschiedenheit der Geschwindigkeiten, das ist bei einerviele Wellenlängen betragenden Differenz, kommen hier so wenig,wie bei Newton's Farbenringen, Farben-Erscheinungen vor.

Eben diese Farbenringc kann man auch mit Hülfe zweierTurmalinplatten darstellen. Da die erste derselben, wenn sie dickgenug ist, das Licht in einer aus die Richtung der Axe senkrechtenRührung polarisirt, so läßt die zweite, wie Sie schon wissen,