301
sehr tiefer Bedeutung zu sein scheint, und die dennoch uns Eigen-schaften des Lichtes kennen lehrt, auf die keine der bisher erklärtenErscheinungen hinwies. Sie wissen, daß fast bei jedem Uebergangcin einen andern Körper das Licht, wenn es schief auffallt, gebrochenwird, und sich in Farbenstrahlcn zerlegt; aber einige Körper undzwar namentlich solche, die crystallisirt sind, haben die Eigenschaft,den cintrctenden Lichtstrahl in zwei völlig von einander getrennteStrahlen, deren jeder die Farben-Erscheinung darbicten kann, zuzerlegen. Wir sagen von diesen Körpern, daß das Licht in ihneneine doppelte Brechung erleide, und cs zeigt sich bei genauererUntersuchung, daß die Gesetze der Brechung für diese zwei ge-trennten Strahlen wesentlich verschieden sind.
Einer der bekanntesten Körper, der diese Eigenschaft besitzt, istder Doppclspath, ehemals unter dem Namen des Isländischen Cry-sialls bekannt. Dieser ist ein durch parallele, aber schief gegen einan-der geneigte Ebenen begrenzter Körper, ein Rhomboid, dessen Sei-tenflächen schiefe Vier-Ecke mit parallelen Seiten sind, in welchendie zwei spitzen Winkel 78° 5si die zwei stumpfen Winkel 101°.55^. sind; diese Seitenflächen machen mit einander Neigungswinkelvon 74°. 5i? und 105°. 5^ und diese Abmessungen finden sich beiallen diesen Crystallcn gleich. Der Crystall läßt sich leicht inBlättchen, die den Oberflächen parallel liegen, zerlegen, und dieintcgrircnden Theilchcn des Crystalls müssen also als eben solcheRhomboide angesehen werden, denen wir überdies gleiche Seitenlinienund eine mit der Lage der Seiten des großen Crystalls übereinstim-mende Lage beilegen dürfen. Der große Crystall sowohl, als dieseElementarcrystalle, woraus wir uns ihn zusammengesetzt denken,hat unter seinen acht körperlichen Ecken zwei, die aus lauterstumpfen Winkeln von 101°. 5-?, als Seitenflächen der Ecke, ge-bildet sind, die sechs übrigen haben zwei spitze und einen stumpfenWinkel als Seitenfläche. Nimmt man von dem großen Crystalleein Stück, dessen Seitenlinien 116, 4^1) (k>A. 120.) allegleich sind, und zieht zwischen den beiden aus lauter stumpfenWinkeln entstandenen Ecken eine grade Linie, L K, so heißt diesedie Axe des Crystalls, und sie hat die Eigenschaft, daßsie gegen alle Seitenflächen eine gleiche Neigung von 45°. 23^.25"hat. Sie kann mit Recht die geometrische Axe des Crystallcs hei-