280
Vorzüglich schön zeigt sich die Erscheinung dieser Farbencänder,wenn man die beiden Metallplatten mit gegen einander geneigtenSchärfen einander so nähert, daß sie sich am einen Ende berührenund am andern etwa noch ^ Linie von einander entfernt sind.Bringt man hier die matte Elastafel, welche, die an den Schärfenvorbei gegangenen Strahlen auffängt, in einer nicht zu geringenEntfernung an, oder hält auch die als Ocular dienende Linse nurso, daß man die Erscheinung ohne Glastafel gut sicht; so zeigensich da, wo der Zwischenraum breit genug ist, drei Facbcnrander anjeder der Schärfen und ihnen beinahe parallel, aber diese Farben-ränder entfernen sich, da wo der Zwischenraum enger wird, mehrvon der Schattengrcnze und gehen gekrümmt in den entgegenge-setzten Schatten hinüber. Dieses muß offenbar so sein, weil beigeringerm Abstande der beiden Schärfen allemal die Ränder sichweiter von dem Schatten, zu dem sie gehören, entfernen, also hierfür die dem Scheitel des von den Schärfen gebildeten kleinen Win-kels nähern Puncte eben das statt findet.
Die Farben dieser Ränder folgen einander so, daß das Violettund Blau dem Schatten selbst am nächsten liegt, das Roth amentferntesten, und eben diese Farbenfolge auch in dem schwächer»zweiten und in dem noch schwachcrn dritten Farbenrande stattfindet. Diese aus dem weißen Lichte hervorgehcnde Färbung läßtschon vcrmuthen, daß man auch hier die Erscheinung einfachersehen muß, wenn,man die durch das Prisma getrennten Farben-strahlen einzeln auf den Zwischenraum zwischen beiden Mctallplattenauffallcn läßt, und schon Newton hat die Versuche so angestellt,und gefunden, daß unter sonst gleichen Umständen die Ränder imrothen Lichte am breitesten, im violetten am schmälsten waren.Bist und Pouillet haben dies noch strenger untersucht, unddie Breite der Ränder oder den Abstand der mehrmals wiederholtenFarben-Erscheinungen in eben dem Verhältnisse gefunden, wie dieAnwandelungcn, oder die ungleiche Länge der Lichtwcllen cs fordern.So wie bei den Newton'schcn Farbcnringcn mehr Ringe sichtbarwerden im einfarbigen Strahle, weil da die Mischung der Farbennicht den Uebergang in Weiß hervorbringt, so werden hier auchim einfarbigen Strahle mehr Farbenrander, aber immer nur ein-farbig, sichtbar, und diese sind durch ganz dunkle Zwischenräume