72
Wie die Erleuchtung von der Lage der leuchtendenOberfläche ab hängt.
Wir haben die Erleuchtung bisher nur in Beziehung auf dieEntfernung und Lage der erleuchteten Flache untersucht; aber siehangt auch von der Lage der leuchtenden Oberfläche ab. Wennwir uns ein leuchtendes Quadrat denken, und als solches kann eineweiße, von der Sonne senkrecht beschienene Tafel uns dienen, sobemerken wir keinen Unterschied in der Intensität des Glanzes,wir mögen senkrecht auf die Tafel blicken oder uns mehr seitwärtsstellen, das heißt, jeder einzelne Theil der Tafel kömmt uns gleichblendend, unser Auge in gleichem Grade rührend, vor, bei dereinen und bei der andern Stellung. Aber die scheinbare Größe desleuchtenden Quadrates nimmt ab, wenn ich auf die Seite trete,und da von jedem scheinbar gleich großen Theile, nach dem Urtheileunscrs Auges, gleichviel Licht ausgeht, so muß die Erleuchtung,durch die ganze quadratische Flache hervorgcbracht, abnehmen. Indiesem Beispiele übersehen Sie zugleich den Unterschied dessen, wasman gesehene Helligkeit, oder wahre Intensität desLichtes, und was man gestimmten Glanz, auch wohl Licht-stärke, nennt. Die gesehene Helligkeit bleibt bei jener glänzendenQuadratfläche gleich für jede Stellung des Auges, aber der ge-flammte Glanz, der Eindruck, welchen alle Theile der Flache ver-eint auf das Auge hervorbringcn, und eben deswegen auch die Er-leuchtung, die einem Körper durch dieses auffallende Licht zu Theilwird, nimmt ab, so wie die scheinbare Größe abnimmt. In Be-ziehung hierauf sagen wir zum Beispiel, das funkelnde Licht desSirius sei glanzender, habe mehr gesehene Helligkeit, als dasLicht des Mondes, dessen geflammter Glanz gleichwohl mehr be-trägt, als derbes Sirius. Hätte jeder Punct des Mondes denblitzenden Glanz, wieder Sirius, so würde das Licht des Mon-des vielleicht dem der Sonne nichts nachgeben.
Die Behauptung, daß der gesehene Glanz, die Intensitätdes Lichtes, für jede scheinbar gleich große Flächcntheile in der Ent-fernung nicht abnimmt, hat im ersten Augenblicke etwas Auffal-lendes, weil man so leicht geneigt ist, die Wirkung, die sich unsin der ganzen Erleuchtung zeigt, mit der Intensität in jedemscheinbar gleich großen Theile zu verwechseln. Es ist ganz gewiß,