Die Art, wie er seine Beute fangt, ist dieselbe, wie wenn disKatze eine Maus erhascht. Er lauscht des Abends und Nachtsim Hinterhalte, oder schleicht sich still und behutsam auf demBauche vorwärts bis er glaubt, nahe genug zu sein, plötzlichspringt er alsdann auf die Beute los, und schlagt seine Krallentief ein. Nur größere Thiere fallt er an, kleinere verachtet er.Die gepriesene Großmnth des Löwen wollen neuere Reisende ebennicht sehr rühmen. Sie beschuldigen ihn der Hintcrlistigkeit undFalschheit, welche er mit allen übrigen Arten des Katzengeschlechtsgemein haben soll. Die Thiere, welchen der Löwe vorzüglichnachstellt, sind Pferde, Rinder, Hirsche, Gazellen, Schaafe unddergleichen. An Menschen wagt er sich nicht leicht, wenn er nichtaußerordentlich vom Hunger geplagt, oder von ihnen in Wuthgesetzt wird. Aas berührt der Löwe selbst im größten Hungernicht.
So muthig der Löwe ist, so sehr er aller Gefahr trotzt, so laßter sich doch bisweilen leicht in Furcht setzen. Wird er Plötzlichüberrascht, oder mit großem Geräusch angegriffen, so flieht er.Oft wagen cs daher die Hottentotten und Neger, ihn mit ihrenelenden Waffen anzugreifen, und tödten ihn auch wirklich. Nordem Menschen und seinen Waffen, insonderheit vor dem Schieß-gewehre, scheint der Löwe überhaupt großen Respect zu haben,weil er nach und nach, wenigstens in manchen Gegenden, dieschrecklichen Wirkungen dieser Waffen kennen gelernt hat. Sosagt man, daß die Löwen in der Berberei, welche in der Nach-barschaft der Städte und Dörfer wohnen, gegen die Menschengleichsam ihren Muth verlieren, weil sie schon aus Erfahrungseine große Ueberlegcnhcit kennen. Das sicherste Mittel, ihn zuverscheuchen, ist das Feuer.
Daß der Löwe seine furchtbare Natur in der Gefangenschaftsehr ändert, und den sanften Charakter eines Hausthieres annimmt,beweisen uns mehrere Beispiele. Man fängt sie öfters in Gruben,die oben dünne mit Neißig und Blättern überdeckt sind. Sounbändig sie sich auch anfangs betragen, und so wenig es jemandalsdann wagen darf, sich ihnen zu nahen, so zahm werden sienach und nach durch Hunger, so daß man sie endlich fortführcnkann. Meistens sucht man doch junge Löwen zu erhalten, undzieht diese auf, denn sie gewöhnen sich leichter als alte. Einjung gefangener Löwe lernt sich sogar mit Hausthicren vertragen,und fügt ihnen kein Leid zu. Dem Herrn, der sie pflegt undgut behandelt, sind sie mit Dankbarkeit zugethan.
Die Heimath des Löwen ist in den heißen Gegenden vonAsien und Afrika. Am zahlreichsten sind sie noch in unbewohnten