Das mächtigste, furchtbarste und kühnste unter allen Geschöp-fen ist unstreitig der König der Thiere, der Löwe. Sein Blickkündiget Ernst und Gefühl seiner Kraft an, seine Glieder undsein ganzer Körperbau verrathen seine gewaltige Stärke.
Die Höhe und Größe dieser Thiere ist verschieden, die gewöhn-liche Höhe betragt 4, bei manchen 6 Fuß. Der Kopf ist wie beiallen Arten des Katzengeschlechts abgerundet, platt und zwischenden Augen etwas erhabener als vorwärts und hinterwärts. DieSchnauze ist kurz und dick, die Zunge ist stachlich. Der Umriß desGesichts des Löwen ist beinahe viereckig, die Brust stark und kraft-voll, der Hals dick. Ueber demselben hängt beim Männchen eine dichtezottige Mähne von langen Haaren herab, welche dem Thiere einmajestätisches und zugleich furchtbares Ansehen giebt, dem Weibchenaber mangelt. Der Leib ist gleich dick, beinahe Walzenförmig; derkräftige Schwanz beinahe 2^/2 Fuß lang, und am Ende mit einemkurzen dichten Haarbüschel versehen, in dessen Mitte sich ein kurzerhornartiger, in die Haut eingelenkter Stachel befindet. Die Füßesind dick, stark und musculös, mit großen, scharfen, rückziehbarenKrallen versehen. Ihr bloßer Anblick verräth die ungeheure Kraft,womit sie den Raub zu packen Pflegen. Ueberhaupt hat die ganzeGestalt des Löwen etwas Gefallendes, weil Stärke, vereint mitGeschwindigkeit und Behändigkeit, aus seinem Bau hervorleuchtet.Weder mit Fleisch, noch weniger mit Fett überladen, besitzt seinmuskulöser Körper eine Leichtigkeit, sich zu bewegen, die manbei seiner Größe nicht vcrmuthen sollte. Er thut Sprünge von12 bis 16 Fuß, und das mit einer Schnelligkeit, die in Erstau-nen setzt. Eben diese Muskelkraft äußert er in der geschwindenVeränderung der Gesichtszüge, der Falten auf der Stirne undin den Bewegungen des Schwanzes. Die Farbe des Körpersist ein bald dunkeleres, bald helleres Gelb, jene der Mähne meistein Gemisch von Dunkelbraun und Gelblichweiß. Nach derVerschiedenheit der Mähne und der Farbe setzt man drei Ra^enfest: die berberische (liarlmrns), bei welcher sich die Mähnelängs der Mitte des Bauches bis an die Hinterfüße hinzieht,die persische (iiai8ians), welcher diese verlängerte Mahne fehlt,und die senegalische (seireAalerrsis), welche sich von der per-sischen nur durch die Höhe der Farbe und die gleichfarbige Hals-mähne unterscheidet.
Des Tages pflegt der Löwe gewöhnlich in Gebüschen verstecktzu liegen, und zu lauschen, er ist auch bei Tage scheuer, und wagtnicht so leicht einen Angriff; des Nachts hingegen geht er nachder Art der Katzen auf Raub aus, und brüllt dann, ehe er sicheiner Beute bemächtigt hat, zu wiederholten Malen fürchterlich.
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