Druckschrift 
2 (1835) Beschreibende Astronomie oder Topographie des Himmels : mit der Darstellung von Sternbildern auf drei Stahlstichen, einer Sternkarte, einer Mondkarte und 23 astronomischen Figuren auf 3 Tafeln
Entstehung
Seite
201
Einzelbild herunterladen
 

Der Mond.

20t

plötzlich unterbrochen wird und jener große Himmelskörper sichmitten am Tage zwischen sie und die Sonne stellt und alles »insie her in die Fenstern der Nackt einhüllt. Ohne Zweifel sinddiese Erscheinungen auch auf dem Monde, für den großen Hansenwenigstens, ein Gegenstand der Furcht und deS Entsetzens, wiesie es so lange Zeit ans der Erde waren Auch sie werden

6) In Ostindien ist der Glaube nock beut zu Tage sehr verbreitet,daß bei einer Mondssinsterniß ein böser Geist seine rabenschwar-zen Fittige über den Mond ausbreite, um ihn vom Himmelherabzuziehen, daher die Jndier den Flüssen zueilen und sich bisan den Kopf ins Wasser stecken, um sich dadurch vor den An-griffen des bösen Geistes zu schützen. Noch sinnreicher stellensich die Bewohner der Westküste von Afrika vor, daß die Fin-sternisse von einer großen schwarzen Katze verursacht werden, dieihre Pfoten aus die Sonne oder den Mond legt. Die Tala-voinen oder Mönche in Siam geben vor, daß die europäischenAstronomen nur deßhalb die Zeit, die Dauer und Größe derFinsternisse so scharf vorhersagen können, weil sie den Appetiteines großen Drachen genau kennen, der zur Zeit einer Finster-niß die Sonne oder den Mond verscblingen will. Die sonst sogebildeten Griechen glaubten lange Zeit, daß der Mond zur Zeitder Finsternisse von boshaften Magiern bezaubert werde, die ihndurck ihre Künste vom Himmel herab ziehen und dann mit sei-nem Schaume die Kräuter vergiften und die Thiers tödten. Wirmögen uns immerhin in Acht nehmen, über diese Völker zu lautzu lacken, da unsere eigenen Väter vor nock nicht gar langerZeit es nicht viel besser machten. Manche meiner Leser habenvielleicht einige von den vielen Schriften gelesen, die zur Zeitder totalen Sonncnfinstcrniß des 12, Mai 1706 in allen Thcilenunseres auch damals schon sehr schreibsüchtigcn Deutschlands er-schienen sind. Diese Finsterniß war in der That eine der größ-te», die seit langer Zeit in Europa erschienen waren. DerSchatten des Mondes zog beinahe über diesen ganzen Welttheilhin, und diejenigen Gegenden, welche die Finsterniß total sahen,hatten mitten am Tage eine stockfinstere Nacht von beinahe fünfMinuten. Während dieser Zeit konnte man weder lesen nocharbeiten und kaum erkannte man sich neben einander. Die Nackt-vögel kamen aus ihren Klüften und die Thiers des Feldes such-ten ihre Nacktlager auf. Man konnte neben der verfinstertenSonne die Planeten Merkur, Venus, Jupiter und Saturn undselbst alle größeren Fixsterne deutlich sehen. Dafür war aberauch diese Finsterniß der Gegenstand des Gespräches, selbst inden sogenannten aufgeklärten Zirkeln und die Gelehrten auf un-seren Universitäten lieferten tiefsinnige Betrachtungen über die