202 Der Mond.
sich ohne Zweifel in ihre Hohlen und Klüfte flüchten und unsereErde über sich entrüstet oder uns für bezaubert halten, und wasdergleichen Thorheiten mehr seyn mögen, in welchen wir ihnenmit unserm Beispiele vorausgegangen sind. Denn welches Rechtsollten sie haben, gescheuter zu seyn, als wir? Ist der Mond nichtder Satellit, der Diener und Fackelträger der Erde? Und da diesegroße Erde in allen ihren Theilen der Thorheiten so voll ist,warum sollte der kleine Mond eine Ausnahme von dieser, wie esscheint, allgemeinen Regel machen? Sie sollten uns in Furchtsehen können und wir sie nicht? Es hat große Völkerschaften beiuns gegeben und es gibt ihrer wohl noch, die den kleinen Mondals eine Gottheit angebetet haben, warum sollten dasselbe nichtauch die Völker im Monde mit der viel größern Erde thun kön-nen, und warum sollten überhaupt wir allein im ganzen großenWeltalle die einzigen Thoren seyn dürfen?
Aber so sehr sie uns auch in diesem Stücke gleichen mögen,in vielen anderen sind sie gewiß wieder eben so sehr von uns ver-schieden, und wir würden uns gewiß nicht wenig über ihre Gestaltund über ihr ganzes Wesen verwundern, wenn wir einmal Gele-genheit haben sollten, zu ihnen heraufzukommen, nicht wenigerohne Zweifel, als sie selbst sich über uns verwundern würden,wenn sie uns einmal näher zu Gesichte bekommen sollten. Gewißkönnen sie sich eben so wenig vorstellen, wie es hier unten zugeht,als wir selbst uns einen Begriff von ihrem Treiben dort oben ma-chen können. Wie sollte es ihnen nur einfallen, daß es auf dergroßen, lichten Scheibe, die über ihnen am Himmel schwebt, eineso seltsame Gattung von Geschöpfen gebe, die man das menschliche
giftigen Nebel, die bei dieser und überhaupt bei jeder Finsternißauf die Erde fallen, daher man die Brunnen sorgsam zudeckenund das Vieh in ihr- Ställe treiben soll, und was dergleichenDinge mehr se»n mochten, die man in Kindermann's Reisen indie eröffneten Himmelskug'ln «779 nachsehen kann, welches Werkdamals in Jedermanns Händen war und mit einer Art von Heiß-hunger gelesen wurde, vbschon es auch gescheuter- Leute gab, dieihre Mitbürger eines Besser» belehren wollten, die aber nichtgehört, wohl gar als Freigeister verschrieen wurden.