Druckschrift 
2 (1835) Beschreibende Astronomie oder Topographie des Himmels : mit der Darstellung von Sternbildern auf drei Stahlstichen, einer Sternkarte, einer Mondkarte und 23 astronomischen Figuren auf 3 Tafeln
Entstehung
Seite
70
Einzelbild herunterladen
 

70

Venus.

dunklen Schatten der Nacht würden, im Augenblicke des Unter-gangs der Sonne, unmittelbar auf den hellen Tag folgen. Jehlaber sendet die Sonne, auch wenn sie schon unter den Horizontgegangen ist, ihre Strahlen noch auf die höher über der Erdestehenden Luftschichten, von welchen sie wieder zu uns zurück ge-brochen werden (Vergl. 1. §> 133). Es ist klar, daß diese Däm-merung im Allgemeinen desto stärker seyn und desto länger dauernwird, je dichter und je höher die Atmosphäre ist. Bei unserinMonde nun ist, wie jeder sogleich sieht, der ihn durch ein Fernrohrbetrachtet, der helle Theil seiner Oberfläche von dem dunklenscharf getrennt, oder das Licht des einen geht plötzlich und ohnealle Abstufung in die Finsternis? des anderen Theites über, zumZeichen, daß er keine Dämmerung, also auch keine Atmosphäre,wenigstens keine beträchtliche und uns merkbare Atmosphäre habenkann. Auch verschwinden die Fixsterne, vor denen der Mond,ans seinem Wege um die Erde, vorbeigeht, in einem beinaheuntheilbaren Augenblick, ohne zuerst an Licht allmählig verlorenzu haben, und kommen eben so plötzlich auf der andern Seitewieder hervor. Dieß könnte nicht seyn, wenn der Mond eineAtmosphäre hätte, die, ihrer Natur nach, in größerer Nähe beider Oberfläche dieses Körpers auch dichter und weniger durchsich-tiger seyn müßte. Ganz anders verhält sich dieß bei der Venus.Das sonst blendend weiße Licht dieses Planeten verliert gegen dieNachtseite hin immer mehr von seiner Helle, und geht, nahe beider Lichtgrenze selbst, in eine mattgraue Farbe über, die sich oftweit über die Lichtgrenze hinaus in die Nachtseite der VenuShineinzieht. Dieß sind die Gegenden, denen eben die Sonneuntergegangen ist, oder für die sie eben ausgehen will, und diedaher ihre Abend - oder Morgendämmerung haben. Aus derBreite dieses dämmernden Streifens hat Schröter den Schlußgezogen, daß die Refraction (l. §. i86) an dem Horizonte derVenus nahe einen halben Grad beträgt, nahe so wie die Refraction,die wir auf unserer Erde beobachten. Auch verschwinden dieFixsterne, vor welchen dieser Planet vorbeigeht, nicht plötzlich anseinein Rande, sondern sie werden vielmehr innner schwächer, jenäher sie seinen, Rande kommen, oder je rieser sie in die untern