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sie um Mittag mit freyen Augen gesehen werden, und daß sie in derAbwesenheit der Sanne Schatten werfen kann. In diesem Falle fälltder hellglänzende Stern selbst dem gemeinen Manne auf, besonderswenn diese Zeit in die Abendstunden des Sommers fällt, und von einergunstigen Witterung unterstützt wird. Nach Lamberl's Berechnungist dann das Licht der Venns nur 2000 mal schwächer, als dasdes Vollmonds, und nahe gleich dem Schein einer Kerze in derEntfernung von 220 Fuß. Als Venus am 2!. Julius d. I. 1716in dieser Lage war, betrachtete der Pöbel von London diese Er-scheinung als ein Wunder und als ein drohendes Vorzeichennahen Unglücks, und i. I. 1720 wurde der nicht minder unwissendePöbel von Paris durch dieses Phänomen so ausgeregt, daß esnöthig wurde, die Hilfe der Polizei aufzurufen, um dem TumulteEinhalt zu thnn. Und dock ereignet sich dieselbe Sache wenigstensalle acht Jahre einmal in derselben Jahreszeit und unter denselbenVerhältnissen.
Die dunkle Seite der Venns ist, besonders zu der Zeit woder beleuchtete Theil nur wie ein feiner Lichtfaden erscheint, voneinem eigenen Lichtschimmer beleuchtet, wie der Mond in denersten Tagen nach dem Neumonde (l. §. 162). Die Ursache dieserErscheinung ist uns noch unbekannt, und ist vielleicht in einemeigenen phospborescirenden Lichte zu suchen, das der Oberflächedieses und wohl auch noch mehrerer anderer Planeten cigenthüm-lich ist.
§. 26. (Flecken und Atmosphäre der Venus.) Cassini undBianckini wollen auf der Venus Flecken, denen unserer Sonneähnlich, gefunden haben; allein Schröter konnte, seiner sorgfältigenund lang fortgesetzten Beobachtungen ungeachtet, keine dunklenFlecken, sondern nur zuweilen sehr schwache und bald vorüber-gehende Spuren von grauen, unfern Wolken ähnlichen Stellensehen. Aber daß dieser Planet mit einer Atmosphäre, die derunfern an Dichtigkeit und Höhe nahe gleich ist, umgeben sen, hatSchröter durch dieselben Beobachtungen außer Zweifel gesetzt.Wenn nämlich unsere Erde keine Atmosphäre hätte, so würdenwir auch keine Morgen- oder Abenddämmerung haben, und die