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20 Die Sonne.
Unsere solidesten Gebäude ans den alten Zeiten, die sprüchwörtlichals'Symbole, als Beispiele einer unwandelbaren Festigkeit gelten,werden täglich, ,ja stundlich von der Wärine in immerwährendeBewegung geseht. Seit den Versuchen, die man mit den höchstempfindlichen Libellen Reichenbachs an der Sternwarte Brera zuMailand angestellt hat, ist es bekannt, daß jeder Thurm und jedesHaus, wenn es auf seiner Ost- oder Westseite von der Sonnebeschienen wird, gleich einein Pendel hin und wieder geht, ohneauch nur zwei Augenblicke dieselbe Lage beizubehalten.
Aber welche noch viel größere Rolle ist dieser unsichtbarenMacht in unserer Chemie angewiesen worden. Unauflöslich schei-nende Körper trennt sie in ihre Elemente; die heterogensten Mas-sen schmilzt sie zu einem gemeinsamen, einförmigen Körper; sieweckt seit Jahrtausenden schlafende Affinitäten aus ihrem Schlum-mer zu neuer Thätigkeit, und sie zerreißt selbst die Baude derchemischen Attractiou, die jeder andern uns bekannten Kraft spot-tend widerstehen. Durch Bindung und Freiwerden der Wärmeentstehen alle unsere Compositionen und Decompositionen der na-turlichen Körper, und diese zwei Prozesse sind es, durch die wirmit der einen Hand fürchterliche Detonationen mit einer allesschnell verzehrenden Hihe, und mit der andern eine Kälte erzeu-gen können, gegen welche die unserer Pole noch Wärme heißenkann.
H. 22. (Wärme in Beziehung auf das gemeine Leben.) Aberwozu erst Sternwarten oder Laboratorien aussuchen, um Bei-spiele für die Thätigkeit einer Kraft zu finden, die uns überallund zu allen Seiten in der Nähe umgibt. Im Schlafe und imWachen, zu Hause oder auf dem Felde, bei Tag und Nacht, inder heißen und in der kalten Zone — überall ist sie, überallwirkt sie und überall sind wir ihre Sklaven zugleich und ihreMeister.
Wir sind ihre Sklaven. — Denn ohne sie vermögen wir nichteinen Augenblick zu leben, und ohne ein genau bestimmtesMaaß derselben können wir dieses Leben eben so wenig in Frie-den genießen. Sie herrscht gebieterisch über unsere Freuden undüber unsere Leiden. Sie legt uns auf das Siechenbette hin, undHilst uns wieder von demselben auf. Sie ist unsere Krankheit und