Druckschrift 
2 (1835) Beschreibende Astronomie oder Topographie des Himmels : mit der Darstellung von Sternbildern auf drei Stahlstichen, einer Sternkarte, einer Mondkarte und 23 astronomischen Figuren auf 3 Tafeln
Entstehung
Seite
29
Einzelbild herunterladen
 

Die Sonne.

29

den Körpern, wie sie uns die Natur gegeben hat, vornehmenmögen, sie bestehen aste mir in der Trennung oder Zusammensü-gnng ihrer Theile, und in einer unseren Zwecken gemäßen Ver-wandlung ihrer Gestalt. Wir schmelzen sie, um ihnen eine an-dere Gestalt zu geben, wir trennen die zusammengesetzten, um ihreuns nutzlosen oder schädlichen Theile zu entfernen, und wir ver-binden die getrennten wieder, um sie auch dadurch unser» Absich-ten dienstbar zu machen. In alle» diesen Operationen ist die Wärmedas wichtigste, oft daS einzige Instrument. Auf ihre» Wink er-weichen die härtesten Körper, das Gold wird Wachs, das EisenWasser, und die ganze Natur wird verändert, um unseren Be-dürfnissen, um nnferem Vergnügen, oft selbst um unseren Einfällenzu gehorchen.

Aber nicht bloß in unseren technischen, auch in unseren wis-senschaftlichen Arbeiten spielt dieses Agens eine große, wichtigeRolle. Wer in einer hellen Nacht den gestirnten Himmel betrach-tet, glaubt schon alles gesehen zu haben, wenn er die Größe unddie gegenseitige Lage dieser Gestirne kennen gelernt hat. Der Astro-nom aber weiß, daß er diesen Himmel keineswegs so sieht, wieer in der Thal ist, daß er ihn vielmehr durch eine große täu-schende Linse, durch eine Kugelschaale von Lust sieht, die alleGegenstände gleich einem Hohlspiegel verzerrt, und keinen dersel-ben an seinem wahren Orte erscheinen läßt. Er weiß, daß dieseoptischen Täuschungen mit der Entfernung der Gestirne von demHorizonte, daß sie von Nacht zu Nacht, ja von Stunde zuStunde wechseln, und daß dieser Wechsel bloß von der ebenfallswechselnden Wärme der Atmosphäre kömmt. Selbst das Instru-ment, mit welchem er diese Veränderungen beobachtet, ist wiederähnlichen Aenderuugen unterworfen, und wie die Temperatur sei-ner Umgegend anders wird, ziehen sich auch seine Theile zusam-men oder auseinander. Ein einziger Sonnenstrahl, der aus seinInstrument fällt, ein einziger Hauch von einem kühlen Zugwinde,ja die den Beobachter selbst Hingebende Atmosphäre seines eigenenKörpers ist schon im Stande, den metallenen Bogen seines Krei-ses zu verziehen und Aenderungen hervorzubringen, die man langegenug an dem Himmel gesucht hat, während sie ihre wahre Ur-sache in dein Instrumente oder in dem Beobachter selbst halten.