Die Sonne.
Mathematikern, wie Sannderson und Enler, anführen könnten,hei welchen der Verlast ihres Augenlichtes den Verstand nnd dieEinbildungskraft nach zu schärfen schien. Das Licht ist demnachgleichsam nur ein Gegenstand des Luxus der Natur, und wenig-stens für viele Dinge und auf längere Zeit entbehrlich. Daherspendet es auch die Natur nicht mir jener unbegränzten Freige-bigkeit ans, sondern sie beobachtet dabei jene zurückhaltende Oeco-nomie, die sie sich bei allen den Gaben vorzuschreiben pflegt, diebloß das Vergnügen ihrer Geschöpfe, nicht aber die unentbehrli-chen Bedürfniste derselben zum Zwecke haben.
Die Wärme aber hat sie überall und für alle mit der frei-gebigsten Hand ansgetheilt. Dieses Geschenk findet sich zu allenZeiten und an allen Orten. Jeder Körper, selbst der unorgani-sche, selbst der lnftförmige enthält sie in reichlichem Maaße. Dietodte Masse des Wassers, der Erde, der Steine, nnd was wirsehen, was wir nur durch irgend einen unserer Sinne erkennen,ist damit angefüllt. Dem Einflüsse der Wärme ist jene endloseVerschiedenheit der Gestalten zuzuschreiben, die über die Erde ver-breitet sind. Unser Festland, unsere Meere und Flüsse, unsereAtmosphäre selbst könnten nicht einen Augenblick so bleiben, wie siesind, wenn ihnen die Wärme entzogen würde, nnd alles würde,ohne sie, in eine rohe, starre, formlose Masse zusammen fallen.Die Luft, die uns umgibt, müßte, sobald ihr die Wärme entzo-gen würde, in eine dicke, harte Rinde zusammen schrumpfen,welche die Erde rings umschließen, und alle ihre Geschöpfe in eineinziges, großes, undurchdringliches Grab stürzen würde. DieWärme ist die Mutter nnd die Amme aller organischen Wesen,und selbst die unorganischen entspringen mir ans ihrem Schooße.Jeder Körper der Natur, wie grob seine Masse, oder wie feinauch sein Gewebe seyn mag, verdankt seine Entstehung und seineErhaltung nur der Wärme. Nehmt die Wärme weg aus derNatur, nnd sofort verschwindet auch alle Bewegung, alle Form-gebung und alles Leben ans derselben, und das alte Chaos trittwieder in seine Rechte ein.
§, 21. (Wärme, in Beziehung auf Kunst und Wissenschaft.)Auch unsere Künste und Mannfacturen können sie so wenig, alsdie Natur selbst, entbehren. Welche Veränderungen wir auch mit