Druckschrift 
Folge 5 (1885)
Entstehung
Seite
384
Einzelbild herunterladen
 

— 384 —

nicht nur diese Ländcrei, sondern auch die ehemalige ErbpachtS-Mühlc, welcheder letzte Erbpächter zur Subhastation hatte kommen lassen und die darauf ausVersehen des Grnndbuchrichters statt für das Schloß, für welches Gustav sieerstanden hatte, auf Gustav's Namen als dessen persönliches Eigenthum ein-getragen worden war, Gustav hatte zwei Obstberge und einen kleinen Weinbergam südlichen Abhänge der MuSkammer gekauft, legte dahin vom Orte aus andem westlichen AbHange hinauf einen fahrbaren, mit Obstbäumen ^pflanztenWeg an und erbaute ein Haus in der Mitte des ObstbergcS. Außerdem hatteGustav auch die von der EiSlcbcr-Mansfclder-Gcwerkschaft zum Verkauf ge-stellten Gebäude der ehemaligen Kupferhütte erstanden, um so die ganze Wasser-kraft des Lcinebaches ausnutzen zu können. Die Gewerkschaft hegte aber Miß-tranen, als ob Gustav den Kauf für das Schloß bewirkt habe und möglicher-weise ihr schaden könne, und versagte ihm daher den Zuschlag.

Da Gustav seine drei Kinder seit 1837 nach Nordhanscn in Erziehungs-Jnstitute gegeben hatte, von wo aus sie die höheren Schulen der Stadt be-suchten, so bestimmte ihn die Rücksicht ans seine Kinder, zu Johanni 1333 seinenWohnsitz auf das schön gelegene und eingerichtete Götting'schc Gut in dem'/s Stunde von Nordhanscn entfernten Salza zu verlegen. Hiersclbst erhielt er zuzweien Malen der Besuch seiner in Dresden wohnhaften Schwestern, im Sept.1338 und dann im Sommer 1839 auf mehrere Monate. Ans vieles Bittenließ er sich bewegen, seine damals noch nicht ganz 16jährige Tochter Charlotte,welche bis dahin in dem großen Münzel'schen Damen-Institute in der Stadtgewesen war, mit nach Dresden gehen zu lassen, woselbst sie bis Ostern 1341verweilte, um dann in das elterliche Haus zurückzukehren. Hier befanden sichschon seit einem Jahre ihre Brüder Ferdinand und Moriz; nachdem dieselbenwährend des Zeitraumes von 4'/, Jahr einer strengen fremden Leitung an-vertraut gewesen waren, hatte es ihr Vater nunmehr in pädagogischer Beziehungfür angemessen gehalten, daß sie dem Familienleben nicht entfremdet würden.

Gleich nach Gustav's Übersiedelung nach Nordhanscn erhielt er von demGencralpostmeistcr v, Nagler die Anfrage: ob, da jetzt — (also nach 23! Jahrennach der erhaltenen Aussicht auf Civilanstellung im Postsache) — die Reihe an ihmsei, er ein Postamt annehmen wolle? zunächst sei von den Militairpostämterndas von Marienburg vakant; er könne nun dasselbe entweder selbst annehmen,oder auch durch einen vom Gencralpostamte zu bestimmenden Administrator ver-walten lassen. Da Gustav damals gerade, und zwar mehrere Monate krankan seinem alten, aber noch nicht richtig diagnosticirten Übel darniedcrlag, sowählte er die Administration. Im I. 1350 machte der neue Handelsministcrv. der Hepdt den Versuch, die Militär-Postämter überhaupt zu beseitigen, pensionirtcGustav und zwar mit der bedeutend geringeren Summe seines ehemaligen Wartc-geldes; allein das Kriegsministerium, welches hiervon in Kenntnis gesetztwerden mußte, übernahm sofort aus eigener Initiative den Major Gustavwieder in das Invaliden-Departement und gewährte ihm eine höhere Pension,als seine Kompetenz im Postsache betragen hatte.

Als Gustav einst in Geschäften im Sommer 1340 von Salza aus in Kelbraunter der Rothenburg gewesen und dort durch Zufall mit dem seit 17 Jahrenihm bekannten bisherigen Justiz-Kommissar in Eisleben Friedr. August KarlStock mann zusammengetroffen war, erlnelt er sehr bald darauf dessen Besuchin Salza. Stockmann, der zugleich Bevollmächtigter des Prinzen Augustvon Preußen für dessen mnnSfeldische Güter gewesen und in seiner Stellungwegen seiner juristischen Tüchtigkeit, großen Gewissenhaftigkeit und penibelcnRechtschaffcnheit sich allgemeine Achtung,,erworben hatte, wollte nach Niederlcgungseiner Ämter nur noch seiner durch Überabeiten sehr geschwächten Gesundheitund der Erziehung seiner einzigen Tochter leben. In letzterer Beziehung gaber Nord Hausen vor Kelbra den Vorzug, und so hatte denn sein Besuch fürihn zunächst die Folge, daß er sich entschloß, schon mit Beginn des Winterhalbjahresseinen Wohnsitz nach Nordhausen zu verlegen. Von hier aus nun kam er