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Folge 5 (1885)
Entstehung
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wöchentlich mehrere Male zu Besuch nach Salza und überredete schließlich auchGustav, daß dieser ebenfalls nach der Stadt, und zwar in ein Haus ihm geradegegenüber zog. Von da an war der Verkehr zwischen beiden alten Bekanntenein täglicher, Stockinann kam vormittags und nachmittags zu Gustav herüber,wo derselbe überdies mit dem ebenso oft hier einsprechenden Hausfreunde, demvon seinem Erfurter Regimente nach Nordhanscn abkommandirten, kenntnisreichen,charaktervollen und unterhaltenden Herrn v. Below zusammentraf. Da nunauch Gnstav's Frau und Tochter mit des mittlerweile zum Stadtrathe gewähltenStockmann Gattin und Tochter Verkehr unterhielten und den freundschaftlichenZusammenkünften natürlich auch die Söhne beiwohnten, so keimte und erwuchsdaraus im Verlause der Jahre eine noch engere Familienverbindung: Gnstav'sältester Sohn Ferdinand, damals Ingenieur-Offizier geworden, und AmalieStockmann hatten sich verlobt. Vier Jahre vorher heirathcte Gnstav's TochterCharlotte den Pfarrer der Frauenberger Kirche zu Nordhausen, vormaligenGymnasial-Obcrlehrer Heinrich Niemeher, Sohn des bekannten Patriotenin der die Freiheitskriege vorbereitenden Zeit und Verfassers des „Heldcnbnchs"und des „Deutschen Plntarchs" Christian Niemeher, Pfarrers zu Dedeleben.

So waren denn diese ersten Jahre nach Gnstav's Übersiedelung von Leinnngennach Salza und Nordhanscn für ihn und seine Familie recht angenehme, zumalin der Nähe ein alter Regimentskamerad Herr v. Bila auf Wernrode undin Nordhausen selbst ein Verwandter von letzterem, ein Gustav vom Jahre 1805her bekannter Offizier eines anderen preußischen Regiments, Hauptmann v.Tettenborn, wohnte. — Leider aber war es ihm beschieden, seine letztenLebensjahre in anhaltender Krankheit und unter entsetzlichen, von ihm mit wahr-haft großartiger Geduld ertragenen Schmerzen hinzubringen.

Am 18. Febr. 1846 bei äußerst strenger Kälte mußte Gustav, von seinemSohne Moriz begleitet eine — damals nur durch Fuhrwerk zu bewirkende unddaher zwei Nächte und einen ganzen Tag in Anspruch nehmende — Reise überHalle zunächst nach Naumburg unternehmen, von wo er nach Dresden weiterzu reisen gedachte. Die ungünstige Witterung, welche am zweiten Tage plötzlichin Thauwettcr und Regen umschlug, sowohl wie'die so anhaltende Erschütterungdurch das Fahren riefen einen höchst gefährlichen Blasenkatarrh, Steinlcidenund eine Hämorrhoidalentzündung hervor, wodurch das untere Ende des Rücken-marks dermaßen afficirt wurde, daß Gustav bei der Ankunft in Naumburg kaumaus dem Wagen auf das Zimmer gebracht werden und sich dann auf seinemLager keinen Zoll weit seitwärts bewegen konnte. Unter entsetzlichen Schmerzenwar er daher gezwungen, in Naumburg 11 Wochen liegen zu bleiben, bis danneinige Tage vor Pfingsten die langsame Rückreise in einem mit Betten ausge-füllten Wagen nach Nordhausen gewagt werden konnte. Zwar erholte sichGustav kraft seiner gesunden Natur im Sommer daraus wieder, und zwar derart,daß er sogar in den Jahren 1847, 1850 und 1851 einen längeren Landauf-enthalt in Leinnngen nehmen konnte. Aber ein erschütternder Arger, der ihmdort, wo er so viel gewirkt, so viel gelitten hatte, am 23. August 1851 bereitetwurde, riefen das nur schlummernde und nur durch seine rationelle Lebensweiseniedergehaltene Leiden wieder wach und steigerten es zn einem solchen Grade,daß er, nach Nordhausen zurückgekehrt und daselbst Jahr auf dasSchmerzenlager gebannt, noch am Tage vor seinem am 7. Januar 1854 Vor-mittags 11'/st Uhr erfolgtem Tode selbst ausrufen konnte: wie ich das aushaltc,ist mir selbst unbegreiflich! Mit so übergroßer, den Arzt zum Staunen bringenderGeduld der Patient seine unsäglichen Schmerzen auch ertrug und bis zum letztenAugenblicke seine Gcmüthsheitcrkcit und seinen offenen Sinn für alle edlerenInteressen bewahrte, so waren es doch über zwei lange schwere Jahre, welchedenn endlich doch die sonst zähe innere Gesundheit des noch mit dunkelblondem,vollem Haupthaare geschmückten Achtnndscchzigjührigen aufreiben mußten.

Über die schmerzvolle letzte Lebenszeit sprach sich noch 14 Jahre später derGymnasial-Direktor Ä. Dihle in einem Briefe an Gnstav 's Sohn Ferdinand aus:

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