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Folge 5 (1885)
Entstehung
Seite
381
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Der entlarvte Bösewicht schickt unter einem Vormunde seinen Bedientenfort; dieser sieht aber noch im Weggehen, daß Zimmermann nach dem Gcwehr-schranke greift, von da etwas herausnimmt und schnell in die Brusttaschc steckt.Abends Uhr geht Gustav's Kutscher hinauf zu Zimmermanns Wohn-räumen, findet aber alle Thiiren verschlossen. In der Nacht gegen 2 Uhr hörtman an der Thüre (welche von dem höher gelegenen Garten aus, und zwarvon der über einen gemauerten Wallgraben nach der breiten inneren Steintreppcführenden Brücke den Hinteren Zugang zu dem Hauptflügel des Schlosses bildete)ein starkes Klopfen. Selbstverständlich wird nicht geöffnet; denn wäre dies ge-schehen, so würde Zimmermann erst den ihm Öffnenden niedergeschossen haben,darauf zu seines Herren Bette gedrungen sein und auch diesen getötet haben.Den anderen Morgen nun gegen Uhr hören Horla'sche Schulkinder (welchewährend der damals gerade in Rötha eingetretenen Pfarrvakanz nach Leinnngcnin den Konfirmandenuntcrricht gehen) oben im Holze über dem sogenanntenGemcindekopfe nicht weit abseits vom Wege einen Schuß fallen, sie gehen nachder Richtung hin — und finden da den Selbstmörder entseelt liegen!

Nach dem so jäh erfolgten Tode dieses durch seine Verirrungen in Ver-zweiflung getriebenen, ursprünglich wohl nicht eigentlich verworfenen und mitvorzüglichen geistigen Fähigkeiten begabten Mannes, welcher verheirathet warund mehrere erwachsene Kinder hatte, deren Mutter aber in der Gegend vonHalle wohnhaft war, stellte sich's nun heraus, daß die von ihm bei seinerMeldung zur Stelle prodncirten glänzenden gerichtlichen Zeugnisse sämtlich ge-fälscht waren. Nach solchen Enthüllungen konnte man sich nun auch nicht weiterwundern, daß, wie sich gleich nach seinem Tode ergab, Zimmermann auch inseiner Geschäftsführung während der Krankheit seines Principals sich argerFälschungen und Betrügereien schuldig gemacht hatte.

Während der Führung der General-Vollmacht seiner Geschwister durchGustav boten nicht nur die Mansfcld'schen Besitzungen, wie vorstehend an-gedeutet, der Verwaltung vielfache und nicht leicht zu behebende Schwierigkeiten;es geschah solches fast in gleichem Maße von den Stammbesitzungen in Ge-hofcn aus. Und es herrschte ein ewiges Gehen und Kommen im LeinungerSchlosse; interessirte und uninteressirte Betheiligte, Behörden und Private ver-kehrten da in buntem Wechsel, und über ein Jahrzehend hatte Gustav sich dendaraus erwachsenden Mühsalen und Beschwerlichkeiten, die nicht nur die leib-liche Gesundheit, sondern auch den Kopf und das Gemüth in angreifenderWeise in Anspruch nahmen, zu unterziehen.

Schreiben de? Llljnhrigrn Seniors der Familie Ernst Freiherr» u. Edcrstri» »nf

Snhla an seine Üettcr» Ferdinand und Itloriz v. Edelstein <1. <1. üuhla,

I. Sept. 1884.

Mein lieber Ferdinand! Lieber Moriz! Von vergangenen Zeiten wollt Ihrhören? nun ick) spreche gern davon. Es waren oft schöne Tage, auch schwere sorgen-volle; die jetzt Besitzenden können sich gar nicht in solche Lagen versetzen, die DeinVater und ich durchgemacht haben. Dein Vater war der Kommandeur, ich sein Adjutant.Persönlich war er mir mehr als Vater. Uber die Jahre 19. 2V, 21 will ich weg-gehen; da lebten wir ruhig und friedlich.,, 1823 starb Onkel Wilhelm, und DeinVater übernahm die Geschäfte und ich die Ökonomie. „Die Geschäfte" sagt sich leichtso hin, aber bedenke, daß eine große Anzahl Prozesse im Gange waren. Ein Advokatin Hettstedt hatte allein genug mit der Sache Leinungen-Horla zu thun, In derÖkonomie war es nicht besser, Pferde genug, aber kein Scheffel Hafer, kein Schrotfür's Vieh und kein Korn zu Brod. Die Prozesse wurden nach und nach durch Ver-gleich geschlichtet, aber mit Gcldopfern. Außerdem waren dicgroßen Prozesse, die in Naum-burg geführt wurden, mit der Mansfclder Gewerkschaft und dem Fiskus. Wenn im Holzeangeschlagen wurde, stellten sich zwei Königliche Beamte dazu ein, später kamen dieseHerren wieder, um nachzusehen, daß wir keine nichtangeschlagenen Bäume gehauenhatten. Wenn nun das überstanden war, kam auf einmal ein Arrestbefehl über dasHolz, und es sollte nichts abgefahren werden. Nur unter der Hand konnten wirverkaufen; kaum hatten wir freien Athcm, da legte wieder die Gewerkschaft Arrest an.