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geben und Gott bewahre mich für solchem Stolze, den der Eigendünkel und Hochmuthgcbierct: wer wollte ein Herz aber haben, was boshaft ist? Dies habe ich nie vonDir in Gedanken gehabt, und darum habe Gott ofte gebeten, daß Er Dir ein reinesHerz gebe und Dich in seine heilige Lcit- und Führung nehmen wolle. Menschcnzuchtkann wohl einen gesitteten Heiden inachen, aber kein Kind Gottes und wahren Nach-folger Christi: doch hiervon ist die Rede noch nicht, und es gehöret auch mehr hierzu,weiches sich Gott vorbehalten hat zu thnn an denen, welche wie der verlorene SohnIme. 15 und wie das Cananäischc Weib Math. 15 zu Ihm kommen, das ist in Ge-stalt großer Demnth, welches die Quintessenz der Liebe ist, eine Gleichheit Gottes —Nun komme ich ans die Ausschüttung Deines Herzens, wonächst Du schreibest „„seitetwa mehr als einem Jahre habe ich in einem gewissen Fache der menschlichenKenntnisse einige schnelle Schritte gcthan — (Sic verstehen mich) — ich habe nichtdamit gespielt, wie man in Deutschland bis 1766 damit wirklich gespielt hat, dannwas hilft das Sprechen von Gutem und Moralität zc."" Wie soll ich dies ver-stehen? in was für einem Fach Du solche schnelle Schritte gethan in der menschlichenKenntnis? Die strenge Beobachtung unserer kleinsten Pflichten und eine ungefärbteFrömmigkeit sind schöne Tugenden, hierzu gehöret eine genaue Kenntnis unsererkleinsten und großen Pflichten gegen Gott und alle Nebenmcnschen, und diese inüvomsntausüben wollen, ist eine ungefärbte Frömmigkeit, wodurch man in abgedachter Gestaltdas wahre und essentielle Gute erreichen kann. kW. wann man es recht Ernst seinlasset, dann gewiß (wie Du sagst) auf diesem Wege nebenbei erschreckliche Abwege undAbgründe befindlich sind. Glücklich bist Du also, wann Du Gott fleißig bittest, daßEr Dich von diesen Abwegen abziehen und Dich den Weg Gottes, welcher in Christogebahnt aber sehr verborgen ist, führen und in Dir eröffnen wolle. Ein gewisserAutor sagt: „„Ist Dein Ernst groß, so ist derselbe in Deinem Wiedcrgebärer nochviel größer!"" Kein Mensch in der Welt aber kann sich rühmen, daß Er selbst gutist, und, in dem genauesten Verstände, Unschuld des Herzens besitzt. Wir mangeln alledes Ruhms, und wer sich selbst recht stndirt und auf seine inneren Triebe Acht hat,wird gar bald finden, daß er zwei Willen in sich hat, der eine treibet und lüstert nachGott und seiner Gerechtigkeit, d. i. zum wahren Guten, der andere hingegen treibetimmer von Gott ab, in die Dinge, so das Fleisch kitzeln; hierauf deutet PaulusNöm 6 u. 16.
Dies wären so meine Gedanken, welche Du von mir verlangest, ob ich aber dasRechte getroffen, weiß nicht, denn diese Deine Worte, welche hierauf folgen: „„Ichmuß aber dabei sagen, ich rede nicht von der Schale, sondern von dem Kerne derSache: vielleicht verstehen Sic mich, dann wenn Sie gleich nicht diese Sache, umdurchzudringen betrieben haben: so weiß ich doch, daß Sie das Selbe, wenngleich aufeinem anderen Wege suchen"", machen mich zweifelhaft. Hierauf aber dienet, daß ichnur Einen Weg zum wahren Guten kenne unb weiß, dieser ist Jesus Christ selbst,der da auch selbst sagt: Niemand kommt zum Vater, es sei denn durch mich! Joh. 14V. 6 zc., man sehe wieder Lap. 10 nach. Ich zweifle um so mehr, daß ich Obigesund Deine Meinung verstanden, weil solches mit der Erkundigung nach Ltareleen*)eine Verbindung haben soll, und ob an dessen Rechtschaffenheit man ihm in der Welteinen Vorwurf mache. Es kommt darauf an, was man unter dem Wort Rccht-schaffenheit eigentlich verstehet, dann die Rechtschaffenheit gegen Gott und seinenHeiland, gegen seinen Nächsten und sich selbst, hat einen großen Umfang undwill viel sagen; ich will selbige Herrn Starck nicht absprechen, denn ich kenne ihnnicht und ans Hörensagen kann man nicht allemal trauen; seine Apologie der Frei-maurer habe ich nicht gelesen, seinen Kspkaisticm habe ich Deinetwegen gelesen,hieraus kann ich wohl seine Bclescnhcit in alten Schriften bcnrtheilen, aber nicht seineRechtschaffcnhcit, welche ans diesen; Buche mir eben gar nicht einleuchten will. Daßunter den Heiden, Ägyptern, Griechen zc. kluge und weise Leute gewesen, ist genugbekannt und was Altes, daß viele davon einen Einigen Gott geglaubt, und noch mehrDinge, welche der Christlichen Religion bcikommcn, ist belesenen Leuten nichts Neues,ja wer wollte nicht glauben, daß Gott auch sein Werk unter den Heiden selbst gehabt!Herr Ltarclc lese die Schrift nach, wo er finden wird, was hier einschlägt s. x.Röm. 3 V. 14—16, 26. 27. <üap. 3. V. 29. Wann aber der Mund der WahrheitJoh. 10. V. 16 selbst sagt: „„Ich habe noch andere Schafe, die nicht sind ans diesemSchafhof"": so ist wohl gar nicht zu zweifeln, daß Gott auch sein Werk unter den Heiden
*) Den Konsistorialrath Stnroks habe ich nie gekannt; man spricht verschiedentlich von seinen SchriftentMoinmen und ist nach Kurland gegangen, wo er recht wohl Placirt sein soll; vielleicht
hat er was Neues, und die Welt will ja immer Neues Häven.
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