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Folge 5 (1885)
Entstehung
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solche von Wilhelm selbst in seiner Autobiographie geschildert ist. Aber auchsein Vater kennzeichnet sich in der Anordnung dieser Erziehung als einen ächtenRepräsentanten fridericianischcr, unbeugsamer Pflichttreue und Straffheit und anBildung des Herzens eine dem alten Ziethen ebenbürtige Persönlichkeit. AlsOberst Karl seinen Sohn Wilhelm von Königsberg auf die von Tilsit aus fürdamalige Verkehrsverhältnisse fern gelegene Universität Leipzig gehen ließ(einmal ans Rücksicht auf die in Leinungen zu besorgenden Geschäfte, dannaber zum Zwecke des Vertrautwerdens mit dem sächsischen Lehnrcchtc, wie mitdem sächsischen Prozeßverfahren), gab er demselben unter dem 8. Juli 1772 jenevortreffliche (in L. F. v. E. Geschichte S 1139 ff. abgedruckte) Ermahnungmit, welche Karl Gutzkow in einem Briefe an Wilhelm's Enkel L. Ferdinandä, 6. Kessclstadt 14. April 1868 in Parallele stellt zu Polonius Abschied vonseinem Sohne Laörtes in Hamlet und zu einem weltklug weisen, schönen Briefedes Grafen Eberhard v. Erbach an seinen Sohn Georg bei dessen Eintritt indie Welt im 16. Jahrhundert.

Aber auch noch bis in sein letztes Lebensjahr wurde dieser allen seinenNachkommen zum Vorbilde dienende charaktervolle Mann nicht müde, seinemSohne wahrhaft väterliche Ermahnungen und Weisungen angedcihen zu lassen.Beispielsweise seien aus seinen Briefen hier folgende Stellen ausgehoben:

Deine Mutter und Geschwister grüßen Dich, . , . 4. Folge. S, 255. , . . bis,Gott gebe Segen und Gnade zu allem, was zu Deinem Besten gereichet"' (S. 256).

» Dich würde solches nicht wundern, wann Du die Welt kanntest. Man

muß von der Freundschaft heutigen Tages nicht zu viel fordern, sondern in allenSachen Diskretion haben. Genug, wann wir es so weit bringen, daß uns niemandübel will. Es ist jetzt alles, was man hoffen kann und wornach man sich nur be-mühen soll."

Halte Dich an den Herrn aller Herren, bleibe ihm getreu, so wird es

Dir allzeit wohl gehen, und er wird Dich zeitlich und ewig belohnen,"

Dein Verstand, Deine Sitten, Deine Gelehrsamkeit und rechtschaffene Dcnknngs-weisc, von Tugend und Geschicklichkeit begleitet, sind die Quellen, die uns Achtung,Freundschaft und Liebe bei rechtschaffenen Leuten zufließen lassen. Prahle ja nicht

und bilde Dir nicht zu hohe Dinge ein, 4, Folge. S, 262 bis

gerne hören und adoptiren wirst'."

Ich sollte hieraus urtheilen, ... 4. Folge, S. 266 ... bisohne daß

Ihr Ursache hättet, unzufrieden zu sein."

Es scheint mir, daß mein letztes Schreiben Dir zu empfindlich gewesen. Salomonsagt in seinen Sprüchen Kap. 13. IEin weiser Sohn lasset sich den Vaterzüchtigen"" ... 4, Folge, S, 275 ... biswozu Dir auch Gott Einsicht und Ver-stand genug gegeben hat'."

Nun will ich mich in etwas über eine andere Materie, deren Du erwähnest"')mit Dir etwas besprechen, soweit es geschehen kann. Du willst gerne in AbsichtDeines Herzens und Deiner Grundsätze schuldlos in meinen Augen sein und defendirestDich über und wegen der vergangenen Dinge, auch sogar über solche, welche in DeinerJugend vorgegangen. Alles dies ist die Zeit unnütz verschwendet und Feder undTinte unnütz verbraucht und zeuget von einem innern Stolze, wann man sich immerso sehr verantworten und nichts auf sich kommen lassen will. Ich will hierdurch, daßich dies schreibe, keine Gelegenheit zu weiteren Streitschriften zwischen uns geben undDir offenherzig bekennen, daß, ob mich gleich die Barmherzigkeit Gottes von Jugendan ergriffen und ihr Feuer und Herd in mir errichtet und unterhalten dergestalt, daßich so lange gesucht habe, bis ich Golt in mir gefunden und Er seine Liebe, welcheJesus selbst ist, in mir offenbart hat, sodaß mich besonders seit 24 und mehr Jahrenherzlich darnach gelüstcrt hat und ich darum in den Streit gegen alle böse Affektenund gegen die listige Anläufe meiner innern Feinde (David klagte: Herr! Wie sindmeiner Feinde so viel!) willig eingetreten bin und darin noch durch göttlicher GnadenBeistand feststehe, ich dennoch gegen Gott und meinen Nächsten gar oftc straucheleund mit Paulo sagen muß:Was ich will, das thuc ich nicht, und was ich nicht will,das thne ich, ich elender Mensch"" zc. und ferner:In mir, das ist in meinemFleische, wohnet nichts Gutes""; ich kann mich solchergestalt gar nicht schuldlos aus-

*) Wilhelm hatte seinem Vater in sichtlich verlegener Weise und darum in geschraubten Worten seinenEintritt in den Freimaurerorden gemeldet.

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