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hängen, und Wehe demjenigen, bei dem sie zu kurz, zu lang, oder um eineLinie zu dick oder zu dünn befunden wurde. Regungslos, wie eine Mauer,stand die Wachtparade nnterm Gewehr; gegenüber standen die Unteroffiziere ineiner Linie mit angezogenen Degen und Stock, und in der Mitte des Platzesdie Offiziere mit abgezogenen Hüten. Eberstein schritt hindurch, mit dem Hutein der Hand und wünschte: „guten Morgen!" Seine Falkenblicke spähetenaber umher, ob er einen Fehler gewahre. Bemerkte er den allergeringsten beieinem Unteroffizier oder Gemeinen, so wurden Klinge und Stock sogleich inBewegung gesetzt; fand er Tadel an einem Offizier, so erhielt derselbe nichtallein einen Verweis in den härtesten Ausdrücken, sondern kam auch ans dieHauptwache in Arrest, und keine Woche verging, in welcher nicht wenigstensEiner darin sich befunden?c. w. w."
Wohl ist es erklärlich, daß im Verlaufe der langen Reihe von FricdenS-jahren, welche nun für die preußische Armee eintraten, in den Wachstubenwährend der langen Winterabende die alten Kapitulanten den jüngeren Kame-raden und Rekruten die Heldcnthaten und Abenteuer aus den Kriegen des„alten Fritz" erzählten und immer wieder erzählten und solche mit innerer Er-wärmung und Begeisterung vortrugen, wobei ein jeder Erzähler ein schöpferischerMünchhausen wurde. Als die Zahl der Kombattanten nach und nach zu-sammengeschmolzen war, und schließlich die Mittheilungcn aus den Schleichenund 7jährigen Kriege nur noch von Hörensagen weiterverbreitet werden konnten,gewannen die Erzählungen derjenigen älteren Leute an Interesse, welche wennnun auch nicht mehr Selbsterlebtes aus dein Kriege schildern, aber doch Berichtemittheilen konnten von Helden des 7jährigen Krieges, die sie selbst noch ge-kannt hatten. Wenn nun der Oberst v. Eberstein nach dem 7jähr. Kriege noch15>/z Jahr Kommandeur des Regiments blieb, so lange, wie Keiner vor ihmund Keiner nach ihm: so darf es eben auch nicht Wunder nehmen, wenn geradeer in den in jenen Kreisen von Generation zu Generation weiter verbreitetenErzählungen mit dem Regiments-Kommandeur zusammenwuchs und
alle diese Mittheilungen, um sie interessant zu machen, an seine Person ange-knüpft wurden. Seine fleißige und tüchtige Arbeit hätte daher Rittmeisterv. Tyßka durch derartige disparatc und ans so trüber Quelle stammendenEinschaltungen nicht verunzieren sollen. Behufs sachlicher Prüfung der an-geführten Angaben braucht man z. B, über den an Strenge den Oberstenv, Eberstcin übertreffenden Gcncrallieutenant und Gouverneur von BerlinFriedlich Ehrcnrcich v. Rani in, Ritter des Schwarzen Adlerordens, nur Band I.S. 503 der „Beiträge zur Geschichte des Brandenburgisch-Prcußischen Staatesund Heeres" v. I. Mebes nachzusehen, woselbst es heißt:
„Er hatte durch sein vorzügliches Benehmen sich die hohe Gnade
Friedrich's II. erworben, der ihm öfter Beweise davon gab. Ebenso besaß
er die Liebe und allgemeine Achtung der Bewohner von Berlin, wo er
1782 den 2. Dez. starb."
Wenn die weitere Andeutung in dem Satze: „nur von dem General Raminund „„noch einem andern"" etwa auf den König selbst gehen soll: so hatdas allerdings seine Berechtigung. Aber Friedrich der Große wußte, was erzu leisten hatte, um die große Aufgabe, die seinem Geiste vorschwebte, zu lösen;so eisern wie sein Wille war: Preußen groß zu machen, und die Ausdauer undEnergie in der Abwehr der von allen Seiten auf ihn eindringenden Feinde, soauch konnte er nur eiserne Männer brauchen, um seine weitsichtigen Pläne ihmverwirklichen zu helfen. Friedrich, der von seinem Vater mit in das Lager desalten Prinzen Engen von Savoycn genommen worden war, um aus der vor-trefflichen Schule des berühmten Feldmarschalls zu lernen, hatte damals freilichhierzu keine direkte Gelegenheit gehabt, er hatte aber indireckt viel gelernt: erlernte während seines Aufenthalts in dem thatenlosen Lager die schlechte Disciplinder östreichischcn Trupven und deren Quelle, die fehlerhafte Einrichtung undlasche Leitung der östreichischcn Hcervcrwaltung kennen. Als er dann 5 Jahre