— 330 —
hatte. Die Kavallerie hatte indessen auf beiden Flügeln ausgezeichnete Erfolge er-rungen, namentlich das gegen den rechten Flügel der Russen bei Weinoten vor-gehende in der Brigade des General Plothen befindliche Regiment Plettenberg,sodaß auch Major v. Korff zur Belohnung zum Oberstlicutenannt ernannt wurde.Dahingegen wurde die gegen das Centrnin vorgehende Infanterie überflügelt und in Flankeund Rücken gefaßt. Wenn auch der Verlust des Feindes größer war (6000 M.),so verloren die Preußen außer 3000 M. 29 Kanonen Obgleich Sieger zogen sichdie Russen über die Grenze zurück, infolge Befehls des durch englisches Gold bestochenenGrobkanzlers und zugleich auch auf einen von dem für Friedrich den Großenschwärmenden Thronfolger, Großfürsten Peter, erhaltenen Wink. Dieser Rückzugwurde aber unter VerÜbung der unerhörtesten Grausamkeiten vollbracht; die unschuldigeStadt Ragnit wurde gänzlich niedergebrannt, auch Tilsit") wurde bombardirt.
Als nun aber die auf den Tod erkrankte Kaiserin Elisabeth gegen Vermnthenwieder genas, sehte sie Apraxin ab und ließ seinen Nachfolger Feldmarschall GrafenFermar sofort wieder gegen Preußen vorrücken. Mitte Januar 1758 zog derselbeüber Mcmel nach Königsberg, besetzte es am 22, Januar und ließ am 24stcn dieganze von Truppen entblößte Provinz der Kaiserin huldigen. Mittlerweile war dasLehwald'sche 25 000 M. starke Corps auf des Königs Befehl nach Pommern gegendie vorgedrungene Schweden gegangen, hatte diese noch vor Ende Dezember gezwungen,sich unter die Kanonen von Stralsund zurückzuziehen, und hatte dann in schwedisch-Pommern Winterquartiere bezogen. Das Dragoner-Rcg. Plettenberg stand in derUmgegend von Stralsund, in Moordorf, Hohendorf, Badewitz, Hcnckenhagen, Nuß-dorf und Gunsdorf. Im März 1758 gab der kränkliche Feldmarschall Lehwalddas Kommando an den Generallieutenant Grafen Dohna. Da nun aber die Russenim März Elbing besetzten, und bis an die Grenzen Pommerns und der NeumarkStreifzügc unternahmen, so verließ die prenßische-Armce am 15. Mai die Winterquar-tiere und zog sich, nachdem auch die Einschließung Stralsunds aufgehoben worden war,zunächst in zwei Lager zusammen, bei Falkcnhagen und bei Püttc (in letzteremwar das Regiment Plettenberg) und 6. Juli ein einziges bei Schwedt. Um denRussen, welche 10. Juni über die Weichsel gegangen waren, den Ubergang über dieWarthe streitig zu machen, wurden 7 Bataillone, dann die Dragoner-RegimenterPlothen und Plettenberg und einige Hundert Husaren nach Landsbergdetachirt, woselbst 17. Juli Stellung genommen wurde. Nachdem diese Abtheilungwieder zu dem am 11. Juli aus dem Lager aufgebrochenen und den auf Frankfurtrückenden Russen entgegen nach Lelms marschirendcn Hanptcorps gestoßen war, wurde0. Aug. ein Lager bei Frankfurt bezogen, zu welchem eine Verstärkung durch7 Bataillone von der Armee des Königs und >0 Schwadronen von der Armee desPrinzen Heinrich hinzukam. Da indessen die Russen sich nach Landsberg a. d.Warthe und in der Richtung auf Küstrin gewandt hatten, wurde zu ihrer Beob-achtung das Dragoner-Rcg Plettenberg nebst noch >3 Schwadronen Dragonerund Husaren und einigen Bataillonen Infanterie nach Reppen abgeschickt, bis wo-hin einige leichtere Gefechte vorfielen.
Am 10. Aug, brach nun der König selbst aus dem Lager bei Landshut in Böhmenmit 14 Bataillonen und 38 Schwadronen auf, um sich mit dem Grafen Dohna zuvereinigen. Den 15. Aug. früh 5 Uhr erschien der russische General Fermor vorKüstrin, bombardirte und legte die Stadt in Asche, ohne die Festungswerke be-schädigen zu können; er hob deshalb die Belagerung ans und lagerte mit 50 000 M.bei Zorudorf. Nach Vereinigung mit Graf Dohna setzte sich der König am22. Aug. mit 30 000 M. in Marsch, überschritt am folgenden Tage die Oder undgriff 25. Aug. die Russen an. Nach der Disposition des Königs war die Avantgardeund der linke Flügel zum Angriffe bestimmt; zur Unterstützung sollte der rechte Flügeldienen und dieser daher zurückgehalten werden, und nicht eher sollte der letztere denFeind angreifen, als bis dieser in Unordnung gebracht sein würde. Ans Mißverständniswar der linke Flügel mit den 8 Bataillonen der Avantgarde in eine Linie gekommen,statt hinter ihr zu bleiben; und diese ganze Linie wurde von der russischen Kavalleriebis gegen Zorndorf zurückgeworfen. Nun waren überdies zur Steigerung derGefahr fälschlich die Regimenter Plathen und Plettenberg, welche mit noch 15anderen aber zurückgebliebenen Schwadronen dem linken Flügel hatten folgen sollen, nach
*) 4. Folge 278. Hierselbst hatte Karl seine Familie zurückgelassen; seine Frau war der Sicherheitwegen auf ein Gartenhaus außerhalb der Stadt an der entgegengesetzten Seite, auf welche das Bombardementerfolgte, gezogen und sie blieb mit den Kindern während desselben im Garten unter freiem Himmel. Der da-mals 4jährige Sohn Wilhelm berichtet in seiner Autobiographie über das Crepiren einer Bombe, derenStücke un Bogen nach allen Seiten über die im Kreise herumstehenden Mnder hinweg flogen.