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Folge 5 (1885)
Entstehung
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186
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die Schrecken des Todes einigermaßen empfunden zu haben vollendete sie amloten December 1827 Nachts 11 Uhr an einem hinzu gekommenen nervösenSchlagflusse. Ihre Umgebung, mit der sie vorher noch gesprochen hatte, unddie sie in den Armen eines erquickenden Schlafes versunken wähnte, ward nuram abnehmenden Athem gewahr daß ganz unmerklich der Engel des Todes ihrgewinket habe.

Da in den letzten Jahren ihres Lebens die Vollendete über eine Empfindungim Kopfe klagte, die sie nicht namentlich bezeichnen könne, die aber, wenn Be-schwerden des Unterleibs hinzuträten, ihr das empfindlichste Mißbehagen erregeund es bis zum Thränenergießen steigre, so wiederholte sie oft den Wunsch,nach ihrem Tode secirt zu werden. Ob nun zugleich die Furcht, lebendigbegraben zu werden ihn erzeugte oder sonst eine Ursache, ließ man dahingestellt sein.

Der Staabsarzt Herr vi-. Weudroth in Sangerhausen, dessen Ruthes siein ihrer letzten Krankheit sich bedient und den sie auch darum gebeten hatte,erfüllte ihn. So wichtige Abnormitäten, wie die Patientin befürchtet hatte, fandensich aber nicht vor, jedoch auf der rechten Seite ihres Gehirns eine steinartigkörnige Masse, ähnlich angehäufter Drüsen, von der Größe einer kleinen Haselnußdie wohl eine immerwährende Unbehaglichkeit durch einen Druck aufs Gehirnkonnte verursacht haben. Dabei waren daselbst die Blutgefäße sämtlich sehrerweitert, als Folge des durch Hömorrhoidalbeschwerdcn verursachten Blutandrangsnach dem Kopfe. Auch wichen Magen und Eingeweide rücksichtlich ihrer Ver-größerung und Lage ab, daraus ihr strenger Appetit zu erklären, der, wenn sieihm zuweilen nachgab, ihre Leiden erhöhete.

Durch ihre letztwillige Erklärung hat sich uusre Verewigte selbst in morali-scher Hinsicht gezeichnet. Da sie nicht allein für ihre Familie, Umgebung undDienerschaft mütterliche Sorge getragen, sondern auch zu guten Zwecken undfür Arme, als bleibende Wohlthäteriu, sich ausgesprochen hat. Vorzüglich wurdesie jederzeit von der Roth armer Kranker gerührt. Hier zeigte sich ihr gutesHerz höchst theilnehmend, wie sie denn überhaupt mehr durch Leben und Wandel diegeläuterten Begriffe des Christenthums an den Tag legte, als in Beobachtungäußerer Formen, woran sie über dieß zu oft ihre Kränklichkeit hinderte. Mitmännlichem Sinne war sie ihren Zusagen getreu, die jederzeit strenge Rechtlich-keit auszeichneten. Oft wurde sie zwar leicht aufgeregt, aber eben so geschwindbesänftigt, wenn der begangene Fehler erkannt, oder Ihr eine richtigere Ansichtruhig vorgelegt wurde, welches bei ihren lichten Verstände nicht schwer fiel.Wäre ihr Ziel von der Vorsehung noch weiter gesteckt, ihr Vcrmögenszustandnoch mehr gewachsen und nach einer glücklichen Wendung der Mohrnnger An-gelegenheiten bestimmter geworden, so würde sie sich ihrem oft geäußerten Vor-haben gemäß, in ihrem letzten Willen noch gemeinnütziger und wohlthätigergezeigt haben. Als sie diesen abfaßte war sie eben erst in den Besitz ihresVermögens durch das Ableben ihrer Mutter, und mit ihm in so manche streitigeVerwickelung gekommen. Keinesweges war die Aussicht vorhanden in so kurzerZeit durch Sparsamkeit dasselbe in einem solchen Zustande hinterlassen zu können.

Jene traurige Erfahrung, welche die Verstorbene in ihrem kurzen Ehestandegemacht hat, mochte sie wohl auch bestimmt haben, mit dem Vermögen ihrerMutter zunächst für deren Verwandtschaft eine Stiftung gründen zu wollen, diefür zwei weibliche Verwandte ein anständiges und ruhiges Unterkommen sichere.Die von Glück weniger Begünstigten, hoffte sie, würden hier den Vorzug haben,da die Günstlinge desselben die ihnen aufgelegten Einschränkungen nicht sich ge-fallen lassen, von selhst heraustreten und jenen Platz machen würden. Hierzukam, daß zu der Zeit als sie diese Bestimmung machte, mehrere vorhanden zusehn schienen von den man glauben konnte, daß sie einst eine solche Versorgungdankbar annehmen würden, indem bei alten Familien-Mannlehngüthern für dieTöchter wenig gesorgt ist. Sie meinte durch die Sorge für ein unabhängigesAuskommen einige ihrer Verwandtinnen vor einem zu raschen Schritte, wie sie