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konnte aus einem Erkenntniße das 1713 gesprochen und nicht zur Vollziehunggebracht worden war, gar nicht mehr, wie doch hier geschah, geklagt werden.Ücberdieß konnte sich der klagende Fiscus nicht streng juristisch legitimiren, wiedas Wiederkaufsrecht auf ihn übergegangen seh. Diese und andere Entgegen-stellungen fruchteten nicht. Im Anfange des Jahres 1824 wurde auch in derRevisionsinstanz die Familie von Eberstein verurtheilt, überdieß gegen einen1621 erniedrigten Preis ungeachtet der Oberlehnsherr früher in einen beträcht-lich höhern gewilliget hatte, mit einigen Aufgelde an Agio, die Güther abzu-treten. Dieß wäre auch vollzogen worden, wenn man sich nicht an die GnadeSr. Majestät des Königs gewendet hätte, der aus angestammten Billigkeits-gefühl die Härte des Rechtsspruchs höchst gnädig erwägend, die Vollstreckungdesselben hemmte und nach Eingang eines Gutachten Seines Staatsministeriiin der Sache zu entscheiden zusagte. Dieser Allerhöchsten Entscheidung hat nunseit dem die Familie von Eberstein vertrauensvoll entgegen gesehen, weshalbauch Fran von Möllendorf ihr vor diesem Prozesse abgefaßtes Testament, rück-sichtlich der Bestimmung über ihr vorzüglichstes Eigenthum, nicht umzuändernfür gut befand. Daß ihr aber die Ungewißheit dieses Besitzes manche Sorgegemacht hat, ihr die seit ihrer unglücklichen kurzen Ehe an steter Hysterie litt,die wegen ihres überreizbaren Nervensystems sie doppelt plagte, läßt sich leichtschon aus dem Frühergesagten abnehmen.
Hysterie ist die Feindin ihrer Jugend wie ihres Alters, ja man kann sagenihres ganzen Lebens gewesen. Durch sie wurde ihr jede Lebensfreude, die siein spätem Jahren, der glücklichen äußern Verhältnisse halber in so reichemMaaße hätte genießen können, vergällt. In der Schule des Aesculap holte siedaher beständig Rath, so daß nicht leicht ein Tag ohne Anwendung ärztlicherMittel vorbei ging. Dieß stäte Streben nach einem Wohlseyn in dessen Besitzman sie schon wähnte, besonders wenn man sie in Gesellschaft sah, wo die an-genehmste Unterhaltung von ihr ausging, machte daß man sie oft verkannte,ihren Klagen über körperliche Leiden weniger Gehör gab, und sie einer über-spannten Einbildungskraft zuschrieb. In frühern Jahren mochte wohl zuweilendieß letztere auch der Fall gewesen seyn, allein in spätem gewiß nicht, wo mansah, wie sie jede Gesellschaft, außer dem Kreise ihrer Umgebung und nähernBekannten floh, oft von innerer Uruh getrieben bald dieses bald jenes Geschäfthöchst aufgeregt anfing und den traurigen Wechselwirkungen, welche ein leiden-der Körper auf den Geist und umgekehrt hervor bringt, oft unterlag. Da konnteman nur äußerst selten noch von ihr gewinnen, daß sie einige aus den Lebenaufgegriffene Karrikaturen in Stellung und Sprache, zeichnete, welches sie sonstzur allgemeinen Freude der Gesellschaft meisterlich ausführte, man mußte viel-mehr immer fertig seyn, den Krankenpfleger zu machen, der nicht immer sym-pathisirt und durch allzureges Mitgefühl die Leiden des Geistes steigert, sondernvielmehr diesen abzulenken weiß, ohne sich unempfindlich zu zeigen. Sie warin der That oft mitleidenswerth krank, ohne eben die Symptome einer schmerz-haften Krankheit zu verrathen.
Alles dieses hatte aber auf ihren hellen Verstand, der in ihren nicht seltenverwickelten Verhältnissen aus der weiblichen Sphäre oft schreiten mußte, keinenEinfluß. Den richtigen Gesichtspunct fand sie leicht und erhielt sich in demangemessenen Takte dem gemäß ihre Schritte einzurichten waren. Wenn sieauch im Andränge der heftigsten hysterischen Leiden mit keiner Sache sich an-haltend beschäftigen konnte, jedes ernste Geschäft durch ein Nichtachten von sichabwies, so ergriff sie es oft unvermuthet bei steterer Denkkraft wieder, wobeiihr ausgezeichnetes Gedächtnis; sie bis in die letzten Stunden ihres Lebens tref-lich unterstützte.
Seit ihrer Blatternkrankheit hat die Verewigte nur einmal an einenWec hse lfieber gelitten und sonst, ihre chronischen Leiden abgerechnet an keinerKrankheit. Aber auch die ihres Todes war blos ein leichtes Fieber, das zweiTage vor ihrem Ableben, aus einer Unterleibsbeschwerde entstanden war. Ohne