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Folge 5 (1885)
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Gesänge singen gclernet, den evangelischen Prädikantcn im Fürstenthume Sachsenund m dem Städtlein Remda, wenn sie vielleicht die Jahr- und Sonntags-Märkte mit den Ihren zu besuchen angegangen, mit Andacht zugehört und obes gleich Graf Günthern, ihren gnädigen Herrn, sehr und bitterlich verdroß,das liebe Wort Gottes lieb gewonnen.

Ist auch von den Alten von dem Haus- und Tischgespräche ihrer Elternangemerket, daß die Bürger zu Blankenburg eher sich lutherisch erkläret,als die zu Rudelstadt, hatte auch glaubwürdig gehöret, wie daß der vonGräfenthal hingezogene Pfarrer, Willen Rödern, vielleicht der letzte papistischcPlebanns zu Rndelstadt, soll auch evangelisch gewesen sein.

Etwan haben die ältesten Bürger darneben erzählet, wie daß man zuRudelstadt in der Fr. Elisabeth-Kirchen auf dem Markte das finsterePapstthum behalten und zugleich vor der Stadpforten in St. Andreas-Kirchen (vielleicht wegen des Landvolks von Volkstedt, Kumbach, Teichweiden,der beiden reußischen Dörfer Bürbach und Merbach, des Thunischen DorfsAmmelstädt und anderswo zulaufenden Leuten) lntheris ch singen und evangelischpredigen müssen; eben als hätten die Bauren im Aufstande 1525 draußen aufdem Schaffenbergc vor der Stadt, wie die Plebanci mag sein genannt worden,bcneben barbarischer Zerreißung der Zinsregister und andern Briefen auchKurden Christoph v. Witzleben, den alten Utsbanuw, übel traktirt und bisauf den Tod geschlagen, davon er auch im folgenden Jahre gestorben. Solcher-gestalt mögen wohl aus Furcht dieser oder folgender Plebanns oder seine Friih-mcsscr genöthiget worden, deutsche Gesänge in der Andrcaskirchen singen zulassen, darbencben vorhergangen, daß man mit .Kap-. Hieolao Stübshorn, vonBlankenburg aus dahin kommend, des v. Witzleben Luoosssors an derPlcbanei, wegen des ärgerlichen Lebens mit seiner Konkubin, die er nicht hatehelichen wollen, übel zufrieden, darum er und sonst ein Dorfpriester, JohannPcrner, so auf Anordnung Junker Heißen, Voigts oder AmtmannS zu Rudol-stadt, des Nachts mit seiner Köchin durch den Richter, Baurenfink genannt, hatsollen abgeholct werden, Reißaus gebend sich in das Stift Hall gemacht, da zudieser und folgender Zeit der Erzbischof Albrccht solch Bubcnlebcn an seinenPriestern wohl dulden können. Darum v. Staupitz, eine adelige und theolo-gische Person, im Papstthum von großem Ansehen, diesem Bischöfe zu Mainzim Scherz fiirwarf und sagte, er wäre der größte Hurenwirth in Deutschland;denn kein Hurenwirth hätte auch aus dem reichsten Muhmenwesen jährlich über50 Gulden nicht zu Zinse; der Bischof aber hätte über 500 Gulden und wohlmehr. Da lachte der Bischof und sprach: Ja davon besoldet man die Schreiberin der Kanzelei.

In dem Schwarzburgischen Städtlein Teichel war um diese Zeit einPrediger, der wär gern evangelisch worden; hergegcn war ein anderer Priesterzu Rittersdorf, in dem Gleichischcn-Kranichfcldischen Dorfe, der wollte lieberpapstisch bleiben. Dannenhero pcrmutirten und tauschten mit einander diesebeiden vieini ihre Pfarrsitze und Ämter und fiel hiednrch des von Teichel seinFilialkirch Haufeld auch mit hinweg.

Sintemal nun hierüber wohl- und mehrgedachter Graf Günther der Älter,sonsten auch Veitstanz von seinem gebräuchlichen Sprüchworte also genannt,bei der kurfürstlich Torgischen und Wcimarischen Regierung um seiner papistischcnVerstockung in große Beschwerung gcricth, haben die noch übrigen papistischcnBürger zu Rudelstadt sich zu der evangelischen Lehre bewegen lassen und aufeine Zeit selbst öffentl. Licenz ihnen genommen, mit öffentlicher Gassenprozcssionversamlet von der Kirchen L. ^nckrons in und zu der Elisabeth-Kirchen aufden Markt gegangen und mit dem unlängst aufgekommenen Gesänge Imtbm-iEine feste Burg ist unser Gott", jung und alt, groß und klein, denreinen Gottesdienst auch allda ingcsamt eingesungen und ihrer alten gn. ObrigkeitUngnade von dem christlichen Werke lauter nicht abschrecken lassen. Nsrm-lliusund Spangenberg bezeugen, daß viel alte Leute in der Schlesien und am Harze

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