Augsburg erfuhr mau, daß die Kaiserl. Majestät, der liebe Kaiser Karl, sollgesagt haben, es müßte ja nicht die Augsburgische Konfession so gar bösesein, weil so gar viel großer, hoher, gelehrter und redlicher Leute solche an-nähmen. Da haben auch das Widertheil selbst erfunden, daß die Lehre nicht soböse sei, als sie durch ihre giftigen Prediger und Ohrenbläser und hässige Fürstenist fürgebildet worden, ja sie hatten sich gar nicht versehen, daß so eine güldeneLehre sein sollte. Ihrer viel haben bekannt, es sei lauter heilige Schrift, mankönne sie mit der Schrift nicht widerlegen, daß sie gar viel anders zuvor be-richtet waren gcwest. Das war auch die Ursache, warum man schwerlich zuließ,daß sie gelesen ward; denn die Neidfürsten und giftigen Lügner sagten Wohl,wo sie gelesen würde, daß ihre giftigen Lügen mußten zu Schanden werden;hätten gerne gesehen, daß Kaiserl. Majestät stracks ungclescn und ungehört allesverdammet hätte. Aber da Se. Kaiserl. Majestät nicht konnte erhalten, daß sieöffentlich für jedermann lesen ließe, that demnach so viel, daß man sie für denReichsständen in des Bischofs von Augsburg Hofe*) lesen und hören mußte,wie auch solches andern Fürsten und Bischöfen und Sophisten zuwider war undsie bitterlich verdroß.
Dieses sind alles herrliche und authentische Formalia llutlleri von Recitirenoder Ablesen des Angsburgischcn Glanbensbekenntnis, inmaßcn auch die folgendenin N S. 4. x. 299.
1531 in seiner Warnung an seine lieben Deutschen von der ^.polopsia..„Da die Unfern," schreibt er, „hatten ihre Antwort wollen Kaiserl. Majestätübergeben wider der Sophisten Vorlegung, soviel man derselben nach der Ver-lesung (3. Aug.) hatte behalten, und Kaiserl. Majestät mit der Hand darnachgreift und wollten sie annehmen (22. Sept. nl. 27. Sept.), da zuckt der König?sr<ZirmnÄns Kaiserl. Majestät Hand zurück, daß solche Antwort (HgzoloA.dorrt'.) nicht wurde angenommen; daraus abermals wohl scheinet, wer die Leutesind, die unter Kaiserl. Majestät Namen ihren Haß und Neid treiben, so dochwohl Kaiserl. Majestät anders gesinnct und gcncigct wäre."
In solcher Zeit des währenden Angsburgischen Reichstages hat sich Lutherzu Koburg — auch in seinem andern Pathmo ans kurfürstlichen Befehl auf-gehalten. Allda hat er auch unter andern das schöne tröstliche Gcsanglicd„Eine feste Burg ist unser Gott" aus freudigem Herzen verfertiget. Undweil unterdessen zu Augsburg der „Fürst dieser Welt" (Joh. 14) durchdie katholischen Fürsten und Herren grausamlich wüthctc und tobctc, daß auchHerzog Georg zu Sachsen sieben ganzer Monat mit seinem Sohne H. Frie-drichen allda verzog, auch die evangelischen Fürsten und Stände in der Weltzugleich Angst hatten (Joh. 16), seind dieser Spruch von Luther N 7. U. 227u. 215 ausgelegt ganz tröstlich und hierzu dienlich.,,
Aber Günther Graf zu Schwarzbnrg der Ältere, Herr zu Arnstadtund Sondcrshausen, unaugeschen, daß er Kurfürst Johann zu Sachsen bestallterRath war, empfing aus Wcimarischcm Hoslager unterschiedliche und zuZeiten harte Befehle, derowcgen, grrmriaur nninrirs asZsr ssmpsr sral, Se. Gn.sich bald von Arnstadt ins Königslchn, bald nach Blankenburg, bald ansdas Schloß Schwarzbnrg Arnstädtischen Thcils, als in Neichslehn zu begebenpflegeten. Da haben I. G. 2 Städte es auch gemerkt und nach dem Excmpelder benachbarten sächsischen Städte Saalfeld und Orlamunda, Jena undKahla, an welchen Orten Luther 1524 in Beisein N. Wolfgang Stein, Hof-prediger zu Weimar, ans fürstlichen Befehl geprcdiget**), erstmals lutherische
*) Aus der Missio Kurf. Johannis von Sachsen an 1), Luther: „Denn der Königund der Widerpart hat aufs fleißigste dafür gewehrct. Aber so viel haben wir er-halten, daß auf heut den Tag nach Johannis Kaiserl. Majestät dieselben Artikel inihrer Majestät Palast will hören. Das ist darum angestellct, daß nicht viel Leutedabei sein können."
**) ist auch 1528 die Universität Wittenberg der vergifteten Luft halber an demElbstrome gen Jena verlegt worden.