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1,1 (1925) Mittelalter
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Literatur und Kunst des Mittelalters

Liebes- und Lachlust fortwährend hineintönen läßt den tiefenUrlaut der Sehnsucht nach dem Wunder?

Ich muß es mir hier versagen, die vollen Konsequenzen ausdieser neuen Erklärung der berühmten Tristanstelle zu ziehen.Nur eines möchte ich bemerken: jetzt erst rückt das zweimalgebrauchte ScheltwortWilddieb der Märe" (der maere wilderaere)in einen geschlossenen Zusammenhang, in eine einheitlicheVorstellungsreihe.

Gottfried stellt den Dichter des Parzival zu den Wilderern,den gaunerischen Bettlern, den Jahrmarktssängern, den Land-streichern. Walther zählt ihn, verblümt zwar, zu den Kämpen,d. h. den gewerbsmäßigen Fechtern und Haudegen, die gleich-falls ohne festen Wohnsitz waren und von Landstreichern sichnicht immer unterschieden. Beide, der Straßburger wie derÖsterreicher, haben also, wenn auch nicht mit gleicher Ent-schiedenheit, die künstlerischen Mängel Wolframs in derselbenRichtung gesucht: das Gewalttätige, Ungeregelte, Unhöfische,Hyperbolische, das Schwertklirrende, Überstürzte seiner Manierweckte ihren Widerspruch. Und sie haben beide diesen literarischstilistischen Gegensatz ausgedrückt durch einen sozialen: sieverwiesen den Thüringer Hofepiker in jene Schicht, die außer-halb und unterhalb der guten, legitimen Gesellschaft der ober-deutschen Höfe stand.

Gottfrieds und Wolframs, der beiden großen Nebenbuhler,literarischer Konflikt war nicht frei von persönlicher Schärfe,Bitterkeit und Ungerechtigkeit, von gekränktem Ehrgeiz, undwohl auch nicht ganz frei von einer Regung des Neides. Densachlichen, den künstlerischen Gegensatz verdunkeln hier dieÜbertreibungen menschlicher Schwäche und Leidenschaft. Indem Wettstreit zwischen dem Witze des Epikers Wolfram unddes Lyrikers Walther, die ja im Ernst sich nicht als Rivalenfühlen konnten, treffen uns keine solchen Mißtöne: er bleibt inder Spare des lächelnden Spiels. Und doch und gerade darumund auch weil anderseits zwischen Walthers und Wolframskünstlerischer Entwicklung eine Verwandtschaft besteht, er-öffnet ihr Scherzkrieg einen Einbück in den tiefen Hintergrunddieses Gegensatzes, der verwachsen ist mit dem Verlauf dermittelalterlichen Bildung, mit ewigen Fragen aller Bildung.

Wolfram, das ist der ritterliche Ministerial, der im vollen,formellen Besitz der Ritterwürde und aller ihrer gesellschaft-