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1,1 (1925) Mittelalter
Entstehung
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LONGINUS UND DER GRAL.

DEUTSCHE LITERATURZEITUNG 1903, 14. NOV., SP. 2821/24.

Über den Ursprung der Gralsage herrschen unter den Fach-gelehrten gegenwärtig zwei Auffassungen. Die eine er-blickt darin ein primitives, vorchristliches Volksmärchen voneinem Wunschgefäß, das viel später stufenweise eine Christiani-sierung durchmachte; die andere erkennt den ursprünglichenKern der Gralssage in der christlichen Legende des Josephvon Arimathia. Demgegenüber leite ich den Gral allerdingsnur aus der Sphäre der christlichen Phantasie her, aber keines-wegs ausschließlich aus der Legende von Joseph von Arimathia,überhaupt nicht eigentlich aus der christlichen Legende undden apokryphen Evangelien, sondern aus einer andern Provinzdes volkstümlichen Christentums: aus den poetischen Eindrückender Liturgie, aus der Kultusmystik und Kultusmagie,aus dem materialistisch, paganistisch gefaßten Dogma undRitus des Abendmahls, aus dem Reliquiendienst und denReliquienmärchen der Palästinawallfahrer. Die neueregelehrte Forschung will die in den meisten Graldichtungenbei der Gralprozession mitgeführte blutende Lanzeentweder überhaupt nicht als Lanze des Johanneischen Kriegs-knechts der Kreuzigung (Longinus) gelten lassen oder dochnur als ein sekundäres Motiv, als Element jüngerer Legen-darisierung. Ich vertrete umgekehrt die Meinung, daß Gralund Longinus-Lanze zusammen von Anfang an untrennbarden ursprünglichen Kern der Gralsage bildeten. Die Re-gründung dafür soll das oben (S. 159) genannte Euch überdie Longinuslegende und die Entstehung der Sage vom Gral

bringen.....Aus diesem bis auf das Schlußkapitel nahezu

seit zwei Jahren im Manuskript abgeschlossenen Werk skizziereich den Gedankengang der ersten acht Kapitel.

B n r d a c h, Vorspiel.

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