NACHLEBEN DES GRIECHISCH-RÖMISCHEN ALTERTUMS IN DERMITTELALTERLICHEN DICHTUNGUND KUNST UND DEREN WECHSEL-SEITIGE BEZIEHUNGEN.
IM AUSZUG VORGETRAGEN VOR DER GERMANISTISCHENSEKTION DER KÖLNER PHILOLOGENVERSAMMLUNG 1895
(UNGEDRUCKT)*).
Die deutsche Philologie ist zwar eine Tochter der zu künst-lerischer Forschung aller Art aufgelegten Romantik, abersie hat frühzeitig und entschieden, als sie von der Mutt,er sichlösend, anfing die Bahn strenger wissenschaftlicher Methodezu gewinnen, die Fühlung mit der Kunstgeschichte aufgegebenund unter dem Einfluß großer Meister wie Lachmann, JacobGrimm, Haupt, Müllenhoff mehr und mehr der Sprache, derLiteratur, insbesondere auch ihrer Form, sowie daneben, wennauch mit geringerem Eifer, sich den nichtkünstlerischen Ge-bieten des geistigen Lebens zugewendet, nämlich der Sage,dem Recht, der Mythologie. Die eigentliche Kunst dagegenließ sie fast ganz außer Betracht.
Diese Einseitigkeit war notwendig, aber man empfindetgegenwärtig, daß sie nicht immer dauern kann. Es ist Zeit,daß die vereinzelten und teilweise noch dilettantischen Be-mühungen eines Büsching, von der Hagen, Wilhelm Grimm,Wackernagel auf besserer und umfassenderer Grundlage wiederaufgenommen werden. Mit andern Worten: es ist zu wünschen,
*) Ein kurzes Referat erschien in den Verhandlungen der 43. Ver-sammlung deutscher Philologen, Leipzig, B. G. Teubner 1896, S. 136f.,Zeitschrift für deutsche Philologie Band 28 (1896), S. 533f.
Burdaoll, VotBpiel. 4