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1,1 (1925) Mittelalter
Entstehung
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DIE ENTSTEHUNGDES MITTELALTERLICHEN ROMANS.

IM AUSZUG VORGETRAGEN IN DER 44. VERSAMMLUNG

DEUTSCHER PHILOLOGEN ZU DRESDEN 1897*.

(UNGEDRUCKT.)

I.

Was ist ein Roman? Die Antwort ist nicht einmal für diemoderne Zeit mit wenig Worten zu geben. Es dürfteschwierig sein, für die 'Asiatische Banise' oder Lohensteins'Arminius', Gellerts'Schwedische Gräfin', Goethes'Wanderjähre',Freytags 'Ahnen' und Sudermanns 'Katzensteg' einen einheit-lichen Gattungsbegriff zu formulieren.

Nicht minder bunt erscheint die Reihe der französischenRomane von Rabelais 'Gargantua', vom Schäferroman, vomheroischen, galanten Roman des 17. Jahrhunderts bis zurunsterblichen 'Manon Lescaut' und 'Neuen Heloise' und end-lich zum romantischen, realistischen, naturalistischen, sym-bolistischen Roman des 19. Jahrhunderts.

Das gleiche gilt von der modernen englischen Roman-literatur. Und vergegenwärtigt man sich dazu noch denslavischen, insbesondere russischen Roman der Gegenwart,so scheint unter einem gemeinsamen Namen eine kaum über-sehbare Masse verschiedenartigster literarischer Produkte zu-sammengeworfen zu sein. Stoff und Vortragsart, Stimmungund Stil, Verhältnis von Wahrheit und Fiktion, Persönlichemund Typischem alles wechselt und wandelt sich unaufhör-lich. Gemeinsam ist nur das äußerlichste: mit verschwindendenAusnahmen sind alle diese modernen Romane in Prosa ge-schrieben.

Mit dem eigentlichen Wesen des Romans hat dieses Kri-terium der Form nichts zu schaffen. Aber freilich ist es für die

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*) Vgl. das Referat, Verhandlungen usw., Leipzig, B. G. Teubner1897, S. 28-31.