DER URSPRUNG DER GRALLEGENDE.
DEUTSCHE LITERATURZEITUNG 1903, 12. DEZ., SP. 3050/58.
f|ie anregende und gedankenreiche Schrift Willy Staerks*-* (Über den Ursprung der Grallegende, Tübingen, Mohr, 1903.)spricht eine nicht ganz neue, aber von der Fachforschung derheutigen Romanisten und Germanisten zurückgedrängte Ansichtnachdrücklich aus: „Die Gralidee, die Vorstellung von einerwundertätigen, geistige und leibliche Erquickung spendendenSchüssel, ist nichts spezifisch Keltisches, sondern ... vom Bodender (christlichen) Legende ... zu verstehen" (S. 3). „Der Gralals Blutampulle und Abendmahlsschüssel und als Symbol desGrabes Christi, seine Beziehung zur Eucharistie und seinegeheimnisvollen Kräfte, vor allem die Gabe der Bewirtungmit geistiger oder leiblicher Nahrung lassen sich allesamt ausdem Milieu der christlichen Legendenwelt ableiten oder . . er-schließen" (S. 7). „Die Eigenschaft der Abendmahlsreliquieals speisespendenden Wunschgefäßes, also das enge Ineinandervon Eucharistie und wunderbarer Nährung der Frommenbleibt auch ohne Beziehung auf keltische Motive genau soverständlich, wie ein von allen christlich-legendarischen Ein-flüssen unberührtes märchenhaftes Wunschgefäß als Motiveiner keltischen oder sonstigen Sage sein würde" (S. 12). „Esbleibt bei der Annahme, daß die Gralvorstellung aus keltischenSagenmotiven sich entwickelt hat, schlechterdings unver-ständlich, wie sich aus der einen simplen Vorstellung von einemüberdies ganz anders gearteten märchenhaften Wunsch-gefäße der keltischen Sage die Festigkeit und Mannigfaltigkeittiefster christlicher Beziehungen der Gralidee (Schüsselmit Christi Wundenblut; Abendmahlsgefäß für das Passah-lamm; Kelch des ersten Herrenmahls; Kelch der Messe; Hostien-behälter) entwickelt haben soll" (S. 21). „Es ergibt sich . . .,daß innerhalb des Vorstellungskreises, aus dem die christlicheLegende ihre Kräfte zog, der naiven . . . Religiosität der
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