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EINLEITUNG DER VORLESUNG ÜBERWALTHER VON DER VOGELWEIDEAN DER BERLINER UNIVERSITÄT.
BERLIN DEN 29. OKTOBER 1902 (UNGEDRUCKT).
Wenn ich von meinem Rechte als Mitglied der KöniglichPreußischen Akademie der Wissenschaften Gebrauchmache, um von dem Katheder der Berliner Universität zueinem weiteren studentischen Kreise über Walther von derVogelweide zu reden, so folge ich dem Zusammenwirkenverschiedener Beweggründe.
Mich treibt nicht bloß die liebgewordene Gewohnheitmeines bisherigen universitätischen Lehrberufs, der akade-mischen Jugend ins Auge zu schauen und auf eine Schar emp-fänglicher Geister bildend einzuwirken und aus dem Gefühldes Erfolges selbst verjüngende anspornende Kraft zu saugen.Ich glaube, der Aufgabe meiner neuen Stellung in der Akademieder Wissenschaften, als Inhaber einer neu gegründeten Stelledieser Akademie, die bestimmt worden ist für die Pflege undErforschung der deutschen Sprache, insbesondere für die Vor-bereitung und Abfassung einer umfassenden, auf allgemeinerkulturgeschichtlicher Betrachtung aufgebauten Geschichte derdeutschen Schriftsprache — ich glaube, dieser großen Aufgabeam besten zu dienen, wenn ich ein mächtiges mir zu Gebotestehendes Mittel benutze, um Teilnahme und Verständnis zuerwecken und zu verbreiten für die Ziele und die Methodedieser besonderen Art wissenschaftlicher Behandlung der Ge-schichte unserer Sprache, die ich die bildungsgeschicht-liche nenne.
Liegt es dem Akademiker ob, weitausgreifende For-schungen, die eines einzelnen Kraft übersteigen, durch plan-
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