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Literatur und Kunst des Mittelalters
Gastfreiheit berühmten Hause des heiligen Quirin seinen Durstmit Wasser habe stillen müssen.
Dieser Gänsewein von Tegernsee und der vermißte BozenerTropfen — das war nun Wasser auf des "Witzbolds WolframMühle. Sein literarischer Hauptwidersacher, Gottfried vonStraß bürg, hatte ihn in seinem Gedicht von Tristan undIsolde so grob wegen seiner Dunkelheit und barocken Einfälleals „hochsprüngigen Hasen" angefahren, er hatte dabei gleich-zeitig die Schar der Minnesänger als Nachtigallen gemustertund, während er eben den Preis unter den Epikern dem unge-nannten, aber deutlich charakterisierten Wolfram ausdrücklichversagt und Hartmann von Aue zuerkannt hatte, als Banner-trägerin und Leitefrau dieser Nachtigallen nach dem TodeReinmars, der Nachtigall von Hagenau, die Nachtigall von derVogelweide, Walthcr, proklamiert. Hier hakt nun Wolfram ein.In seinem 'Willehalm' wird dem fastenden Markgrafen von derProvence auf sein Begehren von seinem Gastgeber, einem Kauf-mann, statt der zuerst aufgetischten Delikatessen und kost-baren Weine nur trockenes Brot und Wasser vorgesetzt. Vondiesem Wasser sagt nun Wolfram schmunzelnd: „Ein Trinken,wovon die Nachtigall sich nährt, durch das ihr süßer Gesangedler ist, als ob sie all den Wein von Bozen tränke." Der Hiebsaß: du Nachtigall von der Vogelweide, die du einst dich da-rüber aufgehalten hast, daß am Hof zu Thüringen keines RittersBecher jemals leer stehe, die du dann gar in Tegernsee nichtmit Wasser zufrieden gewesen bist, sondern nach BozenerWein verlangtest, scheinst ganz vergessen zu haben, daß derStimme der Nachtigall reines Quellwasser allein zuträglich ist,daß der schmachtende Minnesänger sein inneres Feuer nur durchWasser löschen darf*).
Wer je bei einem guten Tropfen Magdalener das BozenerMarmorbild Herrn Walthers angeschaut und ihm im Geistezugetrunken hat, der wird sich freuen, nun doch eine Verbindungzwischen dem Sänger und der lieben südtirolischen Stadt her-gestellt zu sehen. Mag Walther auch nicht in Tirol geboren sein,
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*) Man hat geleugnet, daß hier eine Anspielung auf Walthervorliege. Aber wie will man anders den tollen Gedankensprung vonder erzählten weinlosen Mahlzeit zur Nachtigall und zum Bozenererklären? Er wäre ohne Sinn und Witz, wenn er nicht eine denHörern leicht erkenntliche persönliche Spitze enthielt.