Der mythische und der geschichtliche Walther 393
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Vallei (am Mangfall) sein, der seit dem Jahre 1208, zusammenmit Herzog Ludwig von Bayern, blutige Fehde führte widerden Schirmvogt des Klosters Tegernsee, den Markgrafen Hein-rich von Istrien, in Exekution der Reichsacht, die gegen diesenals vermeintlichen Mitschuldigen an der Ermordung Philippsvon Schwaben verhängt war. Damals war das Kloster zehnWochen lang belagert gewesen und furchtbar verwüstet worden.Im Jahre 1211 hatte eine neue Fehde zwischen dem BischofMangold von Passau, dem früheren Abt von Tegernsee, und dembayrischen Pfalzgrafen Rapot von Ortenburg das Kloster inschwere Mitleidenschaft gezogen. Der alte, ängstlich gehüteteund sorgfältig verwaltete Bozener Weingutsbesitz, den die Hab-sucht der benachbarten Großen so oft angetastet hatte, wurdein diesen Wirren dem Kloster entfremdet. Die Mönche wendetensich, wie einst in gleicher Bedrängnis ihre Vorgänger an Barba-rossa, an den weifischen Kaiser. Und dieser griff, wie jenesTegernseer Diktamen lehrt, helfend ein, vielleicht im Mai desJahres 1212 auf dem Nürnberger Hoftag, und milderte die Lagedes Klosters, die durch den Schuldverdacht gegen seinen Vogtherbeigeführt worden war. Das hing wohl auch damit zusammen,daß mittlerweile der Vogt des Klosters, Heinrich von Istrien,seiner persönlichen Rehabilitation entgegenging. Wenn nunKaiser Otto gerade der Weinnot der guten Mönche durch einenfeierlichen Erlaß steuerte, so mag darüber bei Hofe wohl ge-scherzt worden sein. Walther jedesfalls wirft sich in dem frag-lichen Spruch zum Anwalt des devastierten Klosters auf undmittelbar — was man wohl beachte — zum Ankläger der blind-wütenden Rächer des Königsmordes, deren wildester der Reichs-ministerial Heinrich von Kalden gewesen war. Aber er ver-birgt seine Verteidigung wie seinen Angriff in der scheinbar reinpersönlichen lakonischen Beschwerde, daß er in dem ob seiner
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verwandte Geschichte Boccaccios vom sogenannten 'Primas' der Va-ganten und dem Abt von Clugny (Decamerone 1, 7) sowie die lebens-volle Schilderung mittelalterlicher vornehmer Bewirtungssitten im'Piers plowman' des William Langland (ed. Skeat Oxford 1886, Vol. 1S. 240—254, besonders S. 249ff.), wonach nur dem an die Herren-Tafel aufgenommenen Gaste Handwasser vor und nach der Mahlzeitgereicht wird, während die gering geachteten Gäste, die niedrigenSpielleute, Lustigmacher und Bettler ohne diese Auszeichnung amtiefer stehenden Nebentisch oder draußen bleiben müssen.
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