Der mythische und der geschichtliche Walther 389
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voll waffentüchtig, als nicht voll ritterlich mit parodistischerÜbertreibung den Bauern gleich gestellt, während Waltherdiese Anschauungsweise als die eines junkerhaften Draufgängersund Säbelraßlers zurückwies. Wahrscheinlich berühren wir hiereinen tatsächlichen gesellschaftliehen Unterschied der beidenDichter: Walther, die größte Zeit seines Lebens ein fahrenderSänger gleich den Spielleuten, war schwerlich jemals in allerForm zum Ritter geweiht worden, er blieb wohl, wie so vieledamals, immer nur im Stande der ritterlich lebenden Knappen.
Die Scharmützel zwischen den beiden Großen dauertenauch später fort. Wolframs Mütchen war noch nicht gekühlt.
Im Jahre 1204 oder 1205, als sein Verhältnis zu KönigPhilipp und namentlich zu den Reichsministerialen, denen einstseine ersten großen politischen Sprüche gedient hatten, völligerkaltet war, hatte Walther einen bitteren Spruch vom grie-chischen Spießbraten gedichtet. Darin motivierte er dieblutigen byzantinischen Thronwirren der Jahre 1203 und 1204,in denen Philipps Schwiegervater Isaak Angelos und SchwagerAlexios ihre eben wieder gewonnene Krone und ihr Leben ein-büßten, mit ihrem Geiz und ihrem Wortbruch: sie hatten dieihren Beschützern, den lateinischen Kreuzfahrern, zugesagtenGeldsummen, für die sich auch König Philipp mit verbürgthatte, nicht voll ausgezahlt. Dafür braucht Walther das Bildeines Spießbratens, den man in zu dünnen Stücken zerschnittenund ausgeteilt habe. Er knüpft hieran die deutliche Anwendungauf die deutschen Verhältnisse: man solle den Köchen raten,die Stücke um Daumenbreite dicker zu machen; sonst werdeihr Herr, König Philipp, vielleicht ebenso vor die Tür müssenwie sein Schwiegervater in Griechenland.
Die Köche, die Walther hier so scharf zaust, das sind dieReichshofbeamten, die Reichsministerialen, die am staufischenHof das Heft der Politik in Händen hatten; und als Köchewerden sie bezeichnet, weil soeben — im Jahre 1202 — Philippnach dem Beispiel französischer und niederländischer Fürsten-höfe ein neues Reichshofamt, das eines Hofküchenmeisters,eingeführt hatte. Den Anlaß dazu bot ein Prozeß, den dieFamilie der Reichsministerialen von Rothenburg mit demReichsministerialen Heinrich von Waldburg geführt hatte umdas Anrecht auf das einträgliche und ehrenvolle oberste Hofamtdes Truchsessen. Von diesem Truchsessenamt zweigte Philipp,