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Literatur und Kunst des Mittelalters
„Kämpen" oder „Fechtern", auf eine Stufe, die für Geld,bald hier, bald dort, anderer Leute Ehrenhändel im Zwei-kampf ausfochten und mit fahrenden Sängern, Künstlern undGauklern sich vielfach berührten und mischten 1 ). Offenbar willer damit die alten Standesgewohnheiten verspotten, an denendiese thüringischen Hofritter festhielten: die kriegerische Aus-bildung und fortwährende Übung des Körpers.
Daneben muß man nun, gleichsam als selbstbewußtesParteiprogramm der Gegenseite, Wolframs stolzes Bekenntnishalten. In einer hinter dem zweiten Buch seines Parzival-gedichts nachträglich eingeschobenen Selbstverteidigung gegenallerlei Angriffe — wir würden es heute bei einem modernenAutor eine Erwiderung auf die journalistische Kritik nennen undin dem Vorwort zu einer neuen Auflage finden — proklamiert er:Schildes ambet ist min art, d. h. ritterlicher Kampf mit dem Speerund dem Schild ist mein Beruf. Nur durch männliche Kraft undritterliche Tüchtigkeit im Turnier — erklärt er weiter — will erEhre und Anerkennung erringen; vor allem auch die Frauen-minne will er nur durch Waffenleistung en verdienen. Törichtnennt er die Dame, die ihm bloß um Sanges willen ihre Liebeschenkt. Sein literarischer Ehrgeiz steht für ihn erst in zweiterLinie. Diese Konfession würzt er aber mit einem verblümten,seinen Hörern indessen ganz gewiß sehr verständlichen und un-geheures Gelächter weckenden Ausfall gegen ein überschweng-liches Minnelied Reinmars von Hagenau, des Lehrers Walthers.
Reinmar hatte alles Lob, das andere Minnesänger ihrenDamen spendeten, mit dem Lob seiner Geliebten übertrumpfen,es, wie er in einem damals noch voll als Bild empfundenen, ausdem Schachspiel stammenden Ausdruck sagt, matt setzenwollen. Walther selbst hatte dieses Lied seines Lehrers paro-distisch zurückgewiesen: der liebende Gruß seiner Geliebten,d. h. freundliche Gewährung, sei mehr wert als die feierliche
x ) "Wir übersetzen vielleicht das mittelhochdeutsche Wort kempfeund seinen Begriff am treffendsten durch unser 'Söldner', dem gegen-wärtig, seit dem weit verbreiteten Bestehen der allgemeinen Dienst-pflicht des Volkes, ein etwas verächtlicher Sinn gewerbsmäßiger Käuf-lichkeit und Boheit anhaftet, *während es im Mittelhochdeutschendavon noch völlig frei ist und auch auf hochstehende Bitter von vor-bildlicher, vornehmer Männlichkeit, wie etwa den Königssohn Gahmuret,angewendet wird.