Der mythische und der geschichtliche Walther 383
"Was heißt das ? Zunächst hat der Spruch, der dem Jahre1198 oder 1199 angehört, eine politische Spitze. Der LandgrafHermann hatte sich bei seiner Heimkehr aus Palästina Ottoangeschlossen. Vergeblich hatte Philipp versucht, durch eineGesandtschaft, die große Belehnungen in Aussicht stellte, den ewigGeldbedürftigen auf seine Seite zu ziehen und ihn wenigstenszu einer wohlwollenden Neutralität im ausbrechenden Bürger-krieg zu bestimmen. Otto hatte erklären lassen, er werde demLandgrafen alles, was Philipp versprochen hätte, doppelt aus-zahlen. Das wirkte und entschied. Aber die Freundschaft mitdem Weifen dauerte nur solange, als der gezahlte Lohn reichte.Bald brauchte Hermann neue Mittel. Es scheint auch, als habeOtto die Zuschußsumme nicht voll auszahlen können. Und nun,im August 1199, gelang es Philipp in der Tat, das Höchstgebotzu tun und den Landgrafen zu erkaufen: Otto hatte ihm Nord-hausen verliehen; Philipp bestätigte ihm es jetzt und gab ihmnoch obendrein die königlichen Städte Mühlhausen, Saalfeld,Orla und Schloß Ranis zu Lehen. Auf dieses Schachergeschäftspielt Walther an: allerdings die Geldnot des Landgrafen sehrverblümt andeutend als eine begreifliche Folge unendlicherFreigebigkeit.
Auch drei andere Sprüche desselben Tons haben offenbardie Thüringer Frage, die für Philipps im mitteldeutschen Ostenbegründetes Königtum eine brennende war, im Auge. Schonder Spruch auf die wohlpassende Krone dachte gewiß an denLandgrafen; ihm besonders galt jener Zuruf: „Wer nun in dieIrre geht hinsichtüch des Königtums, der halte sich an denPolarstern über dem Nacken des legitimen Königs, den Waisen."Der Spruch auf das Magdeburger Weihnachtsfest desJahres 1199 feiert dann den Übertritt des Thüringers. Da-zwischen fällt das Gedicht, das über den Lärm der Wartburgscherzt, und ein anderes, mit diesem in Beziehung stehendes,das Philipp zu größerer und freudigerer Freigebigkeit anspornt.Dort spottet Walther, der Landgraf würde den Becher keinesseiner Ritter jemals leer stehen lassen, auch wenn das FuderWein tausend Pfund kostete. Hier schärft er dem König ein,er solle lieber aus bereitem Herzen tausend Pfund verschenken,als widerwillig dreißigtausend.
Wir können nicht genau den Augenblick bestimmen, wanndas gesagt ist. Vor der Gewinnung des Landgrafen oder als
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