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1,1 (1925) Mittelalter
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Literatur und Kunst des Mittelalters

das alles so wirkungsvoll arrangiert. Das zeigt uns die Quelle,aus der die Übereinstimmung der beiden Schilderungen floß:die Weisungen, die der Leiter der Reichskanzlei direkt oderdurch seine Beamten, wie den Protonotar Konrad von Scharfen-berg, an die Publizisten und Annalisten hatte ergehen lassen.

III.

Jene drei Sprüche Walthers von der echten Kaiserkroneaus dem Juni und dem September 1198 und aus dem Ende desJahres 1199 sind denkwürdige Erzeugnisse mittelalterlicheroffiziöser Publizistik. Sie sprechen zum erstenmal in deutscherSprache, in der Sprache der Poesie, in der Sprache tiefer per-sönlicher Überzeugung den Gedanken des nationalen Impe-rialismus und den Gedanken der monarchistischen Legitimi-tät aus.

Den Publizisten Walther hat damals nach seiner deutlichenAngabedas Reich und die Krone an sich genommen". Dasheißt: er wurde eingereiht in das Hof personal, vielleicht unterdie Bediensteten der Reichskanzlei.

In dieser Stellung verfaßte er seinen ersten kirchen-politischen Spruch: er leitet den Ursprung des Thronstreiteszwischen Philipp und Otto von römischen Intriguen, von derList der Kardinäle ab und hört in der Ferne (d. h. vielleicht inItalien) den frommen Klausner klagen über den irregeführten,jungen Papst. Mit dieser Berufung von den mit Schwert undStola, mit weltlichen und geistlichen Waffen streitenden'Pfaffen' an eine Idealgestalt echter christlicher Religion, andie ideale Kirche des Friedens und der zu Gott strebenden An-dacht hat Walther, wie ich glaube, Partei ergriffen in der großenkirchlichen Reformbewegung seiner Zeit. Jener Klausner istder poetische Typus der Regenerationsbestrebungen auf mona-chischer Grundlage, deren die Welt erschütternder Führerdamals Joachim von Fiore, bald nachher Franz von Assisi war.

Nicht aus dem modernen Kulturkampf darf man Walthershier beginnenden Kampf wider die Omnipotenz des Papstes be-leuchten. Des Dichters Verhältnis zu den Anschauungen seinesGönners Wolfger muß man vielmehr im Auge behalten.

Zeitweise sieht man den Sänger mit dem Passauer BischofSchulter an Schulter, immer aber mit ihm einig in den kirchen-