Druckschrift 
1,1 (1925) Mittelalter
Entstehung
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371
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Der mythische und der geschichtliche Walther 371

der kaiserliche Kanzler Konrad und empfängt den Tribut,Schalen Goldes, welche der Araber und Inder kniend dar-bringen ; in die einzelnen Bogen der Säulenhalle sind die Namender beherrschten Länder geschrieben: an Friesland, Bayern,Österreich, Thüringen, Sachsen reihen sich Böhmen, Holstein,Pommern, Polen, Tuscien, Lombardei, Burgund, Ligurien,Frankreich, Lothringen, England.

Auch dies war von unmittelbarster Bedeutung, daß Waltherdie jugendschöne Gemahlin des Trägers der deutschen Kaiser-krone feiert alsRose ohne Dorn, als Taube sonder Galle",d. h. mit den alten, allbekannten Beiworten der Jungfrau Maria.Ihren heimischen Namen, an dem auch die griechische Kaiser-souveränität haftete, den Namen Irene, hatte die Besungenevertauscht mit dem neuen Namen Maria. "Wann das geschah,ist uns nicht überliefert: man hat vermutet, bei der Krönung zuMainz im Jahre 1198; jedesfalls will Walthers Spruch auf diesesEreignis bedeutsam hinzielen.

Walther schließt seinen Spruch mit dem Preise des in Magde-burg von Thüringern und Sachsen geleisteten Hofdienstes, derallen Weisen habe wohl gefallen müssen.

Die Worte weisen triumphierend hin auf den Anschluß undzum Teil soeben erst vollzogenen Übertritt so vieler nord-deutscher Fürsten; vor allem des Landgrafen Hermann vonThüringen, des Markgrafen Dietrich von Meißen, des HerzogsBernhard von Sachsen, der Bischöfe von Halberstadt, Osnabrück,des Erzbischofs von Bremen, des Erzbischofs von Magdeburg,der Grafen von Holstein, von Harzburg, Wernigerode, Mansfeld,Werder, Dassel, Ravensberg. Die Worte fertigen aber zugleichauch mit Hohn jene formalen Gründe ab, welche die Gegen-partei, die rheinischen Fürsten, gegen die Rechtsgültigkeit derWahl aus dem Umstand herleiteten, daß sie, statt nach altemBrauch auf fränkischem Boden, im mitteldeutschen Osten undvon nicht dazu legitimierten Fürsten vorgenommen worden sei.Eine gleichzeitige Beschreibung des Festes in der Geschichte derHalberstädter Bischöfe, die von einem Augenzeugen, vielleichtin offiziellem Auftrag, gemacht zu sein scheint und sicherlichvon der staufischen Hofkanzlei inspiriert worden ist, stimmt imGedankengang so sehr mit Walthers Spruch überein, daß einZusammenhang zwischen beiden sich nicht verkennen läßt. DerHalberstädter Bericht schließt: der Reichskanzler Konrad habe

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