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Literatur und Kunst des Mittelalters
süße Mann auf dem Haupt"; sie sitzt ihm, als wäre sie, die uralteKrone aus den Tagen Karls des Großen, eigens ihm vom Gold-schmied angegossen. Der von ihr über dem Nacken des Königsaufleuchtende Strahl des Waisen soll allen Fürsten, die in bezugauf die zwiespältige Königswahl noch irre gehen, als Leitsterndie richtige Fahrt weisen.
Fünfviertel Jahr später verbreitet ein dritter SpruchWalthers den Erfolg einer neuen politischen Demonstration desstaufischen Reichskanzlers.
Am Weihnachtstage des Jahres 1199 hat Philipp zu Magde-burg im alten Dom mit der Kaiserkrone auf dem Haupte dieheilige Messe gehört, umgeben von einem glänzenden Kreis seinerAnhänger. Er selbst erschien dem Dichter als ein dreifachlegitimer Imperator: Bruder eines Weltkaisers, des gewaltigenHeinrich; Sohn eines Kaisers, des erhabenen Barbarossa; undselbst geweiht zum Kaiser durch sein legitimes deutschesKönigtum. Hinter ihm schritt in der feierlichen Prozession mitleisem Schritt seine Gemahlin. Sehr auffallend nennt der Dichtersie, die Tochter des byzantinischen Kaisers Isaak Angelos,nur „eine hochgeborne Königin".
Das entspricht wieder genau dem Kurialstil der staufischenReichskanzlei, für den der Kaiser von Konstantinopel immernur König der Griechen hieß. Und es entspricht genau wiederauch dem staufischen Hofzeremoniell, wie es in Wirklichkeitbei jenem Festakt angewandt worden ist. Ein aus gleichzeitigeroffizieller Quelle schöpfender Bericht des Chronisten Arnoldvon Lübeck meldet uns: Philipp sei an jenem Weihnachtstagezwar mit der hohen Bügelkrone gegangen; seine Gemahlin, diebyzantinische Kaisertochter Irene, aber nur mit dem könig-lichen Zirkel (circulata, non coronata). So hatte es der von demKanzler Konrad tradierte Geist der Universalpolitik Hein-richs VI. bestimmt: die Ansprüche auf eine Oberhoheit überdas Kaisertum von Konstantinopel waren keineswegs auf-gegeben. Dort residierte nach staufischer Staatslehre nur einKönig, ein Zirkelträger, ein regulus. Wenige Jahre zuvor hattePeter von Eboli in jenem von Konrad inspirierten Panegyrikusauf den staufischen Augustus das erwähnte Idealbild einesphantastischen Kaiserpalastes geschaffen und von einem Minia-turmaler illustrieren lassen: in der Mitte eines von Säulenhallenumgebenen Hofes neben einer Quelle, der Föns Arethuse, thront