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1,1 (1925) Mittelalter
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Literatur und Kunst des Mittelalters

I

prächtige Wandbilder aus der biblischen Geschichte und ausder Geschichte Friedrich Barbarossas. Wohl war es alte Traditionder mittelalterlichen Schulpoesie, die epische Darstellung durchbreit ausgeführte Schilderungen von Palästen und ihren Kunst-werken, namentlich Gemälden, zu zieren, eine Tradition, die ausantiken Vorbildern, ausVergil und aus dem Roman der jüngerenSophistik stammt*). Aber in diese Tradition, die er übernimmt,träufelt er neues Blut: das Blut des Erlebnisses, der eigenenBeobachtung.

Hier, auf und unter dem Boden der Terra di Lavoro, woer weilte, waren ja die realen Anlässe dieser spätantikenpoetischen Manier lebendig geblieben, und Peter von Ebolikonnte sie vor seinen Augen sehen, die künstlerisch geschmücktenWände, die er seinem dichterischen Phantasiegebäude gab.Konnte etwas die Sehnsucht und die Traumlust die Urgef ühlealler Renaissance tiefer aufregen, stärker beflügeln als jenesahnungsreiche Bild der antiken Vineta, der versunkenen, schein-bar im Grunde des Wassers schwimmenden Villen und Tempelmit ihren Säulen und Bildwerken? Und bedeutungsvoll imhöchsten Maße: was Peter von Eboli so halb der Wirklichkeit,halb seinen Träumen nachschuf, hat im 14. Jahrhunderts dieaufblühende Frührenaissance in Italien wie in Böhmen ganzähnlich durchgeführt: dichterische und künstlerische, porträ-tierende Verherrlichung gleichzeitiger Fürsten in einem weiten,genealogischen, teils dynastischen, teils universalgeschichtlichenRahmen, der den Gefeierten und seine Ahnen anreiht an dieHelden des Altertums und des Alten Testaments.

Der Hofkanzler Heinrichs VI. und Philipps von Schwaben,Konrad von Querfurt, war als Beschreiber italienischer Land-schaft und Geschichte ohne Frage der Schüler Peters von Eboli.Aber ebenso gewiß war er in der politischen Auffassung dessenLehrer. Und er selbst hat den Verfasser jenes imperialistischenillustrierten Panegyrikus bei Kaiser Heinrich eingeführt: daslehrt wiederum eine Miniatur der Originalhandschrift.

Himmelweit steht die zitatenträchtige antikisierende Höf-lingspoesie des welschen Klerikers ab von Walthers Sprüchenfür das deutsche Kaisertum. Jedoch gemein ist beiden der uni-verselle Imperialismus, der in dem mittelalterlich gewendeten

*) Vgl. dazu oben S. 55 f. 152 ff. 155.