Der mythische und der geschichtliche Walther 367
phlegräischen Gefilde, oder, wie sie im Mittelalter meist hieß,Terra Laboris (Terra di Lavorö). Die hier seit alter Zeit tätigenvulkanischen Kräfte, deren Wirkungen in den zahlreichenKraterseen, in den unterirdischen Grotten, in den aus der Tiefehervorbrechenden heißen Gas- und Wasserquellen so lebhaftsich kundmachen, waren ihm wohl bekannt. Im Einklang mitantiken Anschauungen führte er sie zurück auf die dämonischenVorgänge der Unterwelt und erblickte darin die Eruptionen ausden Straforten der gepeinigten Verdammten. In einem besonde-ren lateinischen Gedicht beschreibt er die Bäder von Bajä undPuzzuoli eingehend mit gelehrter medizinischer und natur-wissenschaftlicher Kenntnis, mit entschiedener Beobachtungs-gabe für die Erscheinungen der äußeren Welt und des Tierreichs.Und „zum Lobe des großen Cäsar" soll auch dieses ihm gewidmeteBuch dienen.
Peter von Eboli ist sein Interesse für die Ruinen von Bajäund Puteoli, für die Bildsäulen und halb erloschenen Wand-gemälde der antiken Bäder, für die antike Kultur überhaupt,das ihn zu einem Vorläufer des Cola di Rienzo macht, zugeflossenaus seinem politisch-staatsrechtlichen Standpunkt und ausseinem medizinisch-naturwissenschaftlichen Studium, das ihnauf arabische und weiter auf griechische Leistungen zurückwies.Der ghibellinische Imperialist und der Baineologe in ihm sind es,die aus dem engen Bann der traditionellen mittelalterlichenSchulpoesie sich erheben in die lichtere Sphäre einer Art vonProtorenaissance.
Die Schule von Bologna, die dem Imperialismus derSalier und Staufer die Terminologie des römischen Cäsarenrechtslieferte, unddieSchulevonSalerno,die auf Naturbeobachtungund Naturbeschreibung und auf die Schätze althellenischerNaturwissenschaft zurückleitete, aber auch den künstlerischenLuxus altrömischer Thermen aufdeckte, sind die Quellen für denHauptstrom der sogenannten staufischen Renaissance geworden,die unter Friedrich IL sich dann so glänzend entfaltete.
Welche Mächte in Peter von Eboli zusammenwirkten, zeigtseine merkwürdigste Konzeption: der ideale Kaiserpalast. DiesesWundergebilde beschreiben die Verse zu Ehren des Augustusmit eigentümlichem Schweben zwischen Wahrheit und Phantasie,und eine Prachtminiatur der Originalhandschrift versucht es ingleichem Sinne abzubilden. Seine sechs Hallen .schmücken
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